Deutsche u20 ringt österreich nieder – heuberger sieht noch luft nach oben
Ein halber Tag nach dem 44:28-Festival von Steißlingen lieferten sich die deutschen Handball-Talente in Bregenz eine Abnutzungsschlacht. Am Ende stand ein 32:26, das Martin Heuberger mehr Fragen als Antworten bescherte.
Tim Schröder traf fünfmal, das Tempo kam wieder einmal aus dem Konter – und trotzdem blieb ein Beigeschmack. „Wir haben heute gegen eine andere österreichische Mannschaft gespielt“, sagte der Bundestrainer. Die 18-jährigen Köpfe hatten offenbar noch die Kreisschützen-Feier von Freitag in den Knochen.
Fehlerfestival in der ersten hälfte
20 Minuten lang war alles zerfahren: Kreisangaben, die vorbei segelten, Tempogegenstöße, die im Schritt abrutschten, und sieben technische Fehler in Serie. Erst als Heuberger die Reihen durchmischte, lief der Ball flüssig. Österreich stand tief, zog die 6-0-Deckung eng an die Mittellinie und zwang Deutschland in Halbpositionen – genau die Situation, in der junge Spieler sich gern überschießen.
Die Deckung indes funktionierte. Nur sieben Gegentore aus dem Positionsangriff – das ist Statistik, die selbst einen kriselnden A-Nationalmannschaftstrainer neugierig machen würde.
Im zweiten Durchgang dann das gewohnte Bild: phasenweise ein Drei-Tore-Vorsprung, aber keine Ruß-Partie. Die Österreicher warfen sich in jeden Wurf, erzwangen zweimal das Time-out. Mit 54 Minuten war die Partie erneut bei plus zwei – und dann kam die Bank. Luis Koschel verwandelte zwei Siebenmeter, Tom Servos nagelte den Ball aus neun Metern in den Winkel, und plötzlich lautete die Hymne wieder: 28:22, 30:24, 32:26.

Lehrgeld statt läuterung
„Wir haben in der Abwehr und im Tempospiel gute Akzente gesetzt“, bilanzierte Heuberger, „im Angriff aber noch Sachen, an denen wir arbeiten müssen.“ Das klingt nach Lehrbuch, ist aber realistisch. Denn die EM-Endrunde im August kommt schneller, als man denkt. Dann geht es gegen Norwegen, Frankreich und den Gastgeber Slowenien – Teams, die Fehler sofort bestrafen, statt sie laufen zu lassen.
Am Sonntag fliegt die Truppe nach Hause, Mitte April geht es nach Warendorf. Drei Tage, zwei Einheiten täglich, Videoanalyse bis 23 Uhr. Wer glaubt, mit 19 Jahren sei man angekommt, wurde in Bregenz eines Besseren belehrt. Die nächste Warnung folgt im Mai in Bad Blankenburg – gegen Norwegen, dem amtierenden U19-Europameister.
Die Zahl, die bleibt: 13 Tore aus dem Gegenstoß – fast die Hälfte des deutschen Gesamtergebnisses. Wenn die DHB-Auswahl dieses Tempo auch gegen Top-Gegner durchzieht, wird aus dem EM-Traum vielleicht mehr. Noch fehlt das Handwerk im Positionsangriff. Aber das kann man lernen. Geschwindigkeit liegt dagegen im Knochen.
