Frankfurt-marathon: wer kriegt die zügel in die hand?
Wer richtet den traditionsreichen Frankfurt-Marathon künftig aus? Die Frage beschäftigt die Stadt und die Sportwelt, denn die Entscheidung über die verbleibende Laufära steht kurz bevor. Ein Machtkampf zwischen dem bisherigen Veranstalter und einem neuen Herausforderer ist entbrannt, der die Zukunft des Rennens ungewiss macht.
Ein routinier verteidigt sein terrain
Jo Schindler, der Mann, der den Marathon seit 2002 maßgeblich prägt, sieht seine Lebensleistung bedroht. Nach dem Verkauf seiner Agentur an „London Marathon Events“ hält er zwar noch bis Jahresende die Fäden in der Hand, doch die Konkurrenz ist da. Schindler, der mittlerweile eine „moralische Verpflichtung“ sieht, den Klassiker weiterzuführen, redet Klartext: „Ich finde es schon sehr schräg, wenn die Stadt nach all den Jahren plötzlich einem neuen Veranstalter den Zuschlag gibt.“ Er betont die Risiken, die er in den vergangenen Jahren auf sich genommen hat, insbesondere während der Corona-Pandemie, und das Niveau, das er für den Marathon erreicht hat.

Neuer konkurrent mit frischen ideen
Die Frankfurter Sportagentur (FSA), unterstützt vom Sportkreis Frankfurt, will das Ruder übernehmen und ab 2027 die Organisation des Marathons in die eigenen Hände nehmen. Andreas Bechmann, stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises, sieht darin die Chance, den Marathon stärker in die Stadt zu integrieren und sowohl den nationalen Spitzensport als auch den regionalen Breitensport zu fördern. „So ein Prestige-Event muss für die Frankfurter und die Vereine da sein, von Frankfurtern für Frankfurt gemacht werden“, so Bechmann.

Die stadt zwischen den fronten
Oberbürgermeister Mike Josef, der auch Sportdezernent der Stadt ist, betont die Notwendigkeit einer transparenten Ausschreibung, um Planungssicherheit zu gewährleisten. „Die rechtlichen Grundlagen sind so, dass es eine transparente Ausschreibung sowohl für den Veranstalter als auch für die Stadt Frankfurt geben muss“, erklärt Josef. Er möchte eine langfristige Entscheidung treffen und eine Grundsatzdebatte vermeiden, die die Stadt unnötig belastet.

Schnellere strecke und internationale ambitionen
Neben dem Organisationskampf gibt es auch sportliche Aspekte, die die Entscheidung beeinflussen könnten. Hugh Brasher, CEO von motion events, dem neuen Besitzer, sieht in der Frankfurter Strecke ein großes Potenzial. „Die Strecke hier ist schneller als die in London“, so Brasher, der durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Optimierungsmöglichkeiten erkannt hat. Die Frankfurter Laufstrecke könnte somit zu einem Magneten für Weltrekordversuche werden, was die Attraktivität des Marathons weiter steigern würde.
Die kommende Zeit wird zeigen, wer die Zügel des Frankfurt-Marathons in die Hand bekommt. Ein spannender Wettkampf, der nicht nur die Sportwelt, sondern auch die Stadt Frankfurt in Atem hält.
