Frankfurt-marathon: schindler sieht stadt in moralischer pflicht
Die Frage, wer den traditionsreichen Frankfurt-Marathon künftig ausrichtet, sorgt für hitzige Debatten. Jo Schindler, der langjährige Kopf hinter dem Lauf, sieht die Stadt in einer moralischen Verpflichtung, ihn weiterhin zu unterstützen – ein Appell, der auf Gegenwind stößt und die Zukunft des Rennens ungewiss macht.

Ein erbe steht auf dem spiel
Schindler, der sein Agentur kürzlich an „London Marathon Events“ verkauft hat, bleibt dem Rennen bis Ende des Jahres als Geschäftsführer treu. Doch die Ankündigung der Frankfurter Sportagentur (FSA), die Organisation ab 2027 übernehmen zu wollen, hat die Situation kompliziert. Schindler lässt keine Zweifel daran, dass er eine Fortsetzung unter seiner Ägide für das Beste hält. „Ich fände es schon sehr schräg, wenn die Stadt nach all den Jahren sagen würde, dass man jetzt einem neuen Veranstalter den Zuschlag gibt.“
Der Organisator, der das älteste deutsche Stadtmarathon seit 2002 leitet, erinnert an die schwierige Zeit während der Corona-Pandemie. „Seit 2008 organisieren mein Team und ich jetzt den Marathon komplett auf eigenes Risiko. Wir haben also auch die Durststrecken in Corona durchgemacht und den Marathon auf das Niveau gebracht, auf dem er jetzt steht.“ Diese Leistung, so Schindler, begründet eine moralische Verpflichtung der Stadt.
Die FSA schlägt zurück: Andreas Bechmann, stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises Frankfurt, sieht die Sache anders. „So ein Prestige-Event wie der Marathon muss für die Frankfurter und die Vereine da sein, der muss von Frankfurtern für Frankfurt gemacht werden.“ Er kritisiert, dass man sich nicht von einem „großen Konzern in London“ abhängig machen dürfe, und betont die Bedeutung des Breitensports. Die FSA will den Fokus auf den nationalen Spitzensport legen und deutsche Topläufer stärker fördern.
Hugh Brasher, CEO von „London Marathon Events“, sieht großes Potenzial in Frankfurt. „Die Strecke hier ist schneller als die in London“, so Brasher, der die Möglichkeit sieht, neue Weltrekorde aufzustellen. Er plant, die Veranstaltung noch attraktiver zu gestalten, ohne dabei die lokale Identität zu vernachlässigen. Der Frankfurter Holger Kranz wird ab 2027 die Rolle des Renndirektors übernehmen und eine Brücke zwischen den beiden Konzepten schlagen.
Die Entscheidung liegt nun bei Oberbürgermeister Mike Josef, der betont, dass eine transparente Ausschreibung notwendig ist, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Der Kampf um den Frankfurt-Marathon ist noch lange nicht entschieden. Die Stadt muss sich entscheiden, ob sie die Vergangenheit würdigt oder die Zukunft neu gestaltet – ein Balanceakt, der das Herzstück des Frankfurter Sports berührt. Ein Rennen, das mehr ist als nur 42,195 Kilometer.
