Frank schmidt zögert: 18 jahre fch – reicht die leidenschaft noch für liga zwei?

18 Jahre, 6400 Tage, eine Identität. Frank Schmidt steht seit September 2007 an der Seitenlinie des 1. FC Heidenheim, doch zum ersten Mal fragt sich ganz Baden-Württemberg: Läuft er bald zur letzten Runde auf?

Der Klub hängt als Schlusslicht (14 Punkte) zehn Spieltage vor Saisonende so tief im Kessel, dass sogar Werder Bremen (25 Zähler) schon eine kleine Mannschaft zwischen sich und den Abstiegsdreck hat. Schmidt selbst spricht offen von „Realismus“, doch hinter den Kulissen brodelt es. Sein Vertrag läuft zwar bis 2027, doch niemand – wirklich niemand – wagt eine Prognose über ein zweites Jahr Zweite Liga.

Kein gespräch, kein signal, kein plan b

Früher war das anders. Sobald der Frühling anklopfte, verlängerte der Vorstand schon mal zwei Jahre vorzeitig – ein Ritual, das diesmal ausbleibt. Ernsthafte Gespräche über einen Neustart in Liga zwei? „Bisher nicht geführt“, sagt ein Vereinsinsider, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Schmidt selbst schwankt zwischen Pflichtgefühl und Erschöpfung. Die Frage nach der Energie für einen erneuten Komplettumbau stellt sich nicht nur theoretisch – sie nagt an ihm, Tag für Tag.

Leverkusen als Gegner am Samstag klingt nach einem letzten Schluck Champagner vor dem Kater. Die Werkself ist raus aus der Champions League, hat nichts mehr zu verteidigen außer Anstand. Schmidt will trotzdem Punkte, weil er nicht anders kann. „Verlieren ist für ihn ein Schlag ins Gesicht, egal ob Schach, Tischtennis oder Bundesliga“, sagt Co-Trainer Andreas Geißler. Drei Tage nach Leverkusen folgt die Auswärtsfahrt nach Frankfurt, dann Gladbach – alles Spiele, in denen man sich in Heidenheim selbst nicht mehr zuletzt sieht.

Die stadt zittert mit dem trainer

Die stadt zittert mit dem trainer

In der Brenztal-Arena steht ein Banner: „Frank Schmidt ist Heidenheim.“ Die Fans fürchten den Tag, an dem er geht, mehr als den Abstieg. Denn der Abstieg wäre eine Saisonkrise – ein Schmidt-Abgang wäre ein Identitätsverlust. Die Verantwortlichen wissen: Werden die Gespräche zu spät geführt, springt vielleicht kein neuer Coach mehr auf einen sinkenden Kahn auf. Die Alternative wäre ein Interimslohn im Sommer, ein Befreiungsschlag mit ungewissem Ausgang.

Die Zahl, die alles sagt: 14 Punkte aus 26 Spielen. So wenig wie noch nie in Heidenheims Bundesliga-Geschichte. Schmidt selbst hat sie auf dem Kieker, aber er spricht lieber über die 15 Punkte, die theoretisch noch drin sind. Theorie ist seine Religion, Praxis sieht düster aus. Wenn er mit 18 Jahren Amtszeit den Abstieg nicht verhindert, wäre das keine Fußnote – es wäre das Ende eines Kapitels, das viele für unendlich hielten.

Die Entscheidung liegt in seinem Kopf, nicht im Vorstandsbüro. Schmidt muss sich fragen, ob er erneut Jugendspieler schleifen, neue Taktik brennen und sich von TV-Experten kritisieren lassen will. Oder ob er nach dem Abpfiff gegen Leverkusen in sich hineinhorcht und merkt: Genug ist genug. Heidenheim wartet, die Bundesliga auch. Der Countdown läuft – und zwar nicht nur für den Klassenerhalt.