Forster verpasst triple in cortina – 0,46 sekunden fehlten zum gold
Die 2,82 Sekunden nagten wie ein Stein im Schuh. Anna-Lena Forster fuhr wie besessen, schüttelte die Latten, jagte den Slalom-Torreihen entgegen – doch als die grüne Zahl an der Bande aufblitzte, wusste sie: Silber. 0,46 Sekunden. So viel fehlten, um Audrey Pascual Seco die Krone abzuluchsen und Cortina d'Ampezzo in ihr privates Reich zu verwandeln.
Super-g-rückstand war eine kleine ewigkeit
Die Spanierin hatte den Super-G dominiert, Forster wirkte nach dem ersten Lauf wie ein Radfahrer mit Anhänger. Die Deutsche steckte den Schock weg, schaltete auf Slalom-Modus – ihre Paradedisziplin – und legte eine Jagd hin, wie man sie selten sieht. Tor um Tor fraß sie Rückstand auf, doch die Uhr stoppte bei 2:11,68 Min. Pascual Seco jubelte, Forster atmete tief durch. „Ich hab alles rausgeholt“, sagte sie später, Stimme leise, aber ohne Tränen. Dreimal Super-Kombination, zweimal Gold – diesmal reichte’s nur für das Edelmetall zweiter Wahl.
Das macht ihre Sammlung nicht weniger beeindruckend. Elf Medaillen bei Winterspielen, Pyeongchang und Peking als Siegerin verewigt. Der neue Silberpokal passt ins Regal, erzählt aber auch von einem Tag, an dem selbst eine Skifahrerin mit Rumpfmaschine an ihre Grenzen stößt.

Depression, comeback, platz sechs – rothfuss kämpft sich zurück
Andrea Rothfuss kennt solche Tage. Die 36-Jährige stand vor zwölf Monaten noch am Abgrund, eine Depression zwang sie in Pause. In Cortina wurde sie Sechste, 12,16 Sekunden hinter Ebba Arsjö. Für Rothfuss klang das wie ein Sieg. „Ich bin froh, wieder starten zu dürfen“, sagte sie. Ihre Geschichte wirkt wie ein Spiegel für den ganzen Sport: Es geht nicht nur um Podeste, sondern ums Überleben auf der Piste des eigenen Kopfes.
Anna-Maria Rieder wurde Elfte, Warwara Worontschichina schied nach ihrem Super-G-Triumph aus. Sitong Liu sicherte China Bronze, doch der Tag gehörte der Frau, die fast das Unmögliche schaffte – und am Ende die 0,46 Sekunden als Spur im Schnee stehen ließ.
Cortina bleibt ohne deutschen Goldregen, doch Forsters Silber glänzt trotzdem. Sie wird zurückkommen. Sie hat schließlich zwei Mal bewiesen, dass Paralympics ohne sie nur die halbe Show sind.
