Forster muss 1,6 sekunden wettmachen - gold im slalom auf der kippe

Cortina d'Ampezzo. Der Traum vom Gold-Triple wackelt. Anna-Lena Forster startet um 13.00 Uhr als Vierte in den Slalom-Krimi - 1,58 Sekunden Rückstand trennen die Monoski-Queen von Spitzenreiterin Audrey Pascual Seco. Eine halbe Ewigkeit im Flachstück der Olympiabahn, wo Tempo verloren geht wie Luft aus einem geplatzten Ballon.

Die lage ist klar: medaille oder nichts

Die lage ist klar: medaille oder nichts

Sie kennt dieses Gefühl. 2018 in Pyeongchang, 2022 in Peking - beide Male fuhr sie zur Goldmedaille. Doch heute droht das erste Slalom-Desaster seit vier Jahren. „Der Lauf war okay, aber zu langsam“, sagt Forster nach dem ersten Durchgang. Ein kleiner Fehler, ein kurzer Haken, das reichte. Die Spanierin Seco flog, die Chinesin Zhang Wenjing lauert nur eine Hundertstel dahinter. Auch die Finnin Nette Kiviranta liegt 1,42 Sekunden vor der deutschen Hoffnung.

Die Zahlen sind brutal. Seit Januar 2020 hat Forster nur ein Slalomrennen verloren - genau dieses eine könnte ihr den vierten Paralympics-Sieg kosten. Die beiden Goldmedaillen, die sie in Cortina bereits holte, waren im Super-G und der Super-Kombi. Seco sicherte sich Abfahrt und Riesenslalom. Nun steht alit auf dem Spiel im Slalom, der Königin der Paradedisziplin.

13.00 Uhr. Die Sessellift-Gondeln schaukeln über die leeren Pisten. Forster steht im Startsteg, atmet tief durch. Sie weiß: Eine perfekte Linie reicht nicht. Sie muss riskieren, wo andere bremsen. Die Wetterpropeller drehen sich, die Sonne brennt auf das künstliche Weiß. Kein Schatten, keine Gnade.

Die deutsche Delegierung blickt gebannt auf die Anzeigetafel. Zwei Goldmedaillen hat der DBS bisher - beide an Forster. Ein drittes Edelmetall wäre nicht nur persönlicher Rekord, sondern der größte deutschen Erfolg bei Winter-Paralympics seit 1998. Doch dafür muss eine Aufholjagd gelingen, wie sie selten gelingt.

Um 13.03 Uhr geht's los. Sekunden, die entscheiden, ob Forster Geschichte schreibt oder die erste Niederlage in der Slalom-Königsklasse einsteckt. Die Uhr tickt. Die Piste wartet. Und Cortina hält den Atem an.