Forster boykottiert eigene fahnen-feier – das steckt dahinter
Anna-Lena Forster fliegt nach Cortina, um zu gewinnen. Nicht, um in Verona zu winken. Die Monoski-Queen trägt zwar die deutsche Flagge, doch beim Einmarsch bleibt der Platz leer. Stolz und Protest liegen hier nur zehn Zentimeter auseinander – die Breite ihres Skis.
Goldjagd statt show: warum forster in cortina bleibt
Die 30-Jährige hat keine Zeit für Inszenierungen. Fünf Starts, fünf Chancen auf Gold – das ist ihre Rechnung. „Jede Abfahrt ist ein Sprint gegen mich selbst“, sagt sie, während ihre Konkurrentinnen noch in Mailand posieren. Die Entscheidung des IPC, auf Live-Athleten zu verzichten, passt ihr ganz recht. „Ich bin kein TikTok-Content, ich bin Wettkampf.“
Dabei wäre sie die ideale Galionsfigur: zehn Weltmeister-Titel, Gesamtweltcup-Siegerin, Doppolympics-Siegerin. Doch Forster hasst Alibi-Rollen. In Peking 2022 war sie noch die strahlende Fahnenträgerin, heute ist ihr klar: „Wenn die Show das Sportliche verdrängt, verlieren wir alle.“
Der DBS zieht mit. Statt VIP-Tickets gibt’s Zoom-Grüße aus dem Paralympic Village. Ehrenpräsident Beuchel nennt das „respektvolles Zeichen“. Intern heißt es: Die Ukraine-Solidarität sei nur die halbe Wahrheit. Die andere: Man will seine Stars nicht in eine Feier schicken, die schon vor dem ersten Ton kaputt ist.

Die stunde null im monoski: forsters plan für die 14. winterspiele
Cortina wird zur Schneise werden. Die Südtiroler Pisten kennt sie aus dem Weltcup wie ihre Westentasche. 83 Prozent ihrer Siege fuhr sie hier, auf der Tofana und im Lagazuoi. Die neue Sitzschale aus Carbon spart 400 Gramm – auf 100 km/h sind das 0,3 Sekunden. „Genug, um ein Rennen zu drehen“, sagt ihr Techniker.
Die Gegnerinnen haben ihre Statistiken studiert. Die Französin Bochet reduzierte ihr Gewicht, die US-Amerikanerinnen tauschen Nacht für Nacht die Kantenwinkel. Doch Forsters größter Gegner sitzt in ihrem Kopf: die Angst, dass der Lauf nach 2022 ein einmaliges Feuerwerk war. Sie selbst nennt es „die leise Stimme, die fragt: War’s das?“
Die Antwort kommt am 7. März, 10.47 Uhr, Startnummer 7. Dann heißt es: Runter oder raus. Kein Video, kein Applaus, nur Pfeifkonzert der Windfahnen und das Knirschen von Stahl auf Eis. Für Forster ist das kein Mangel, sondern die reine Form. „Gold schmeckt nicht nach Showlicht, sondern nach Schnee.“
Am Ende zählt nur die Uhr. Und die steht in Cortina, nicht in Verona.
