Fonseca packt aus: juve-roma wird zum krimi – und yildiz ist der neue francescoli

Daniel Fonseca schaut nicht mehr durch die Linse, sondern durch das Fernrohr. Der Ex-Knipser von Juventus und AS Roma spricht über das Spiel des Jahres, das heute Abend in der Olimpico steigt – und er spricht Klartext: „Wenn die Juve verliert, ist die Champions-League-Quali so gut wie weg.“ Sieben Punkte Rückstand auf die Roma? „Viel zu viel, selbst im März.“

Warum spalletti jetzt seinen fonseca braucht

Der Uruguayer lacht, als er das sagt. Aber er meint es ernst. Luciano Spalletti habe der Juve zwar eine Identität gegeben, doch die fehlenden Tore von Dusan Vlahovic nagten am Selbstvertrauen. „David hat nicht verlernt, wie man trifft – er braucht nur den richtigen Gegner,“ sagt Fonseca. Den richtigen Gegner nennt er: Roma. Denn dort kennt er jeden Winkel, jeden Flüsterplatz im Stadion.

Und dann kommt der Satz, der die Tribünen erbeben lässt: „Kenan Yildiz ist mein neuer Francescoli.“ Fonseca schwärmt vom 19-jährigen Türken, der in den letzten Wochen Pfosten, Paraden und Pech im Paket hatte. „Er trägt die Zehn mit einer Leichtigkeit, die an Enzo erinnert. Zidane hat sich für Francescoli eingeschaltet, ich habe die drei zu einem Dinner in Turin zusammengebracht. Zizou war wie ein Schuljunge.“

Die geheimwaffe heißt nicht malen – sie heißt wesley

Die geheimwaffe heißt nicht malen – sie heißt wesley

Alle reden über Donyell Malen, den neuen Shootingstar aus Bergamo. Fonseca winkt ab. „Klar, er trifft. Aber der Mann, der Juve heute brennen kann, ist Wesley.“ Den kannte er schon, als der Brasilianer noch für Flamengo dribbelte. „Er hat diese Sprints, die Verteidiger nur mit Augen schauen. Spalletti muss heute Abend eine Antwort auf Wesley finden – sonst wird es eng.“

Und eng wird es sowieso. Die Roma hat ihre Tore gefunden, die Juve ihre Unsicherheit. Fonseca kennt beide Seiten. Er weiß: „Im Olimpico kannst du nicht mal durchatmen, ohne dass dich jemand anfeuert oder verflucht.“

Lotito, muslera und der transfer, der ihn fast erledigt hat

Lotito, muslera und der transfer, der ihn fast erledigt hat

Als Spielerberater hatte Fonseca auch seine ganz eigenen Kämpfe. Der härteste: Fernando Muslera zu Galatasaray lotsen. „Lotito hat mich schwitzen lassen wie einen Verteidiger nach 120 Minuten Verlängerung,“ sagt er und grinst. Aber er hat es durchgezogen. Genau wie er damals in Neapel überlebte, als 300 Fans ihn in einem Schuhgeschäft einkreisten. „Die Polizei musste mich rausholen – nach dem 5:0 gegen Valencia. Das ist Süditalien: entweder lieben sie dich oder sie essen dich auf.“

Heute trainiert er wieder jeden Morgen, 15 Kilo leichter nach einer lebensgefährlichen Peritonitis. „Ich hatte keine Angst zu sterben, aber ich habe gespürt, wie nah ich dran war.“ Jetzt will er wieder Tore sehen – und zwar von seiner alten Liebe Roma. Oder von Yildiz. „Wenn er heute trifft, erfinden die Fans ein nehes Lied. Und ich werde mich erinnern, warum ich diesen Sport liebe.“