Fischtown startet playoff-jagd: barratt bereit, bremerhaven blitzt
19:30 Uhr, Eiswüste Bremerhaven – da pfeift Schiedsrichter Hoppe zum ersten Bully, und schon donnern die Plexiglaswände. Die Fischtown Pinguins haben die Pre-Playoffs nicht als Stolperstein, sondern als Startschuss verstanden. Zwei Siege bis zum Viertelfinale, das klingt nach Kurzstrecke, ist aber ein Sprint über Eis mit Spikes im Rücken.

Nürnberg reist mit barratt als leuchtfeuer an
Evan Barratt hat 54 Punkte geschrieben, aber keine Antwort auf die Frage: Wer stoppt ihn heute? In der Hauptrunde teilten sich Fischtown und die Ice Tigers die Beute, zwei Erfolge pro Team. Die Quote liegt bei 50 Prozent – für Statistiker ein Münzwurf, für die Fans ein Herzinfarkt. Die Pinguins verpassten Platz sechs um zwei Zähler, deshalb diese Extrarunde. Die Nürnberger verpassten alles, was nach Saison klingt, und müssen nun fremde Eishalle zum Leben erwecken.
Trainer Mike Stewart schickte gestern noch seine Top-Reihe aufs Eis, ließ aber die Shell-Defensive trainieren – ein Indiz, dass man Barratts Linie um Jason Akeson mit doppelten Deckungen erstickt. Auf der Gegenseite warfen die Tigers Videos an die Wand: jedes Powerplay der Pinguins, jede Lücke hinter dem Tor. Die Analyse dauerte bis Mitternacht. Sportdirektor Stefan Rupert kippte trotzdem keinen Kaffee um, er schwor das Team auf „Special-Teams-Schlacht“ ein.
Die Halle brennt schon zwei Stunden vor Puck-Drop. 4.500 Tickets weg, Restplätze nur im Stehblock. Die Fangruppe „Pinguins Army“ verteilte 500 blaue Thundersticks – die klingen wie Eishockey-Gatling. Draußen kreisen TV-Transmitter, drinnen flimmert der Live-Ticker von Sport BILD. Wer dort den Matchpuck verliert, liest morgen seine eigene Beerdigung.
Die Reihe ist auf zwei Siege verkürzt, das bedeutet: ein Patzer reicht, um die Saison in die Verlängerung zu schicken. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 38 Prozent für den Auftaktsieg der Hausherren – das haben die Buchmacher justiert, nachdem klar wurde, dass Goalie Maximilian Franzreb die letzten drei Spiele mit 93,5 Prozent Fangquote beendete. Dennoch: Barratt traf in vier der letzten fünf Auswärtspartien. Die Zahl schreit.
Um 19:30 Uhr geht die Scheibe runter, um 21:15 Uhr könnte schon der erste Matchball liegen. Dann steht entweder Bremerhaven mit dem Rücken zur Wand oder Nürnberg mit dem Gesicht im Eis. Einer wird heute Nacht die Playoff-Tür aufstoßen, der andere kriegt sie ins Gesicht. Schluss mit der Theorie, die Praxis fängt an – und die ist gnadenkalt.
