Milan rechnet mit 30 mio. verlust – und zeigt trotzdem stärke
Kein Champions-League-Geld, kein Supercup-Bonus, dafür ein erwartetes Minus von rund 30 Millionen Euro: Der AC Milan schließt die Saison 2025/26 mit einem roten Ergebnis ab – zum ersten Mal nach drei aufeinanderfolgenden Gewinnjahren. Und trotzdem ist das, was diese Zahlen erzählen, keine Geschichte des Scheiterns. Es ist eine Geschichte der strukturellen Reife.
Wie ein klub ohne europa trotzdem nicht in die knie geht
Wer die Bilanzzahlen des AC Milan liest, muss sie im richtigen Kontext verstehen. 71 Millionen Euro an UEFA-Prämien und Supercup-Einnahmen fehlen in dieser Saison vollständig. Dazu kommen rund 12 Millionen weniger aus dem Ticketverkauf. Das ist kein Kleingeld – das ist ein strukturelles Loch, das selbst gut geführte Klubs ins Wanken bringen kann. Der Vergleich mit der Juventus liegt auf der Hand: Die Turiner verbuchten im katastrophalen Jahr 2023/24 ein Defizit von 199 Millionen Euro. Milan landet bei einem Bruchteil davon. Das ist kein Zufall.
Seit RedBird Capital Partners 2022 die Kontrolle übernahm und den von Elliott eingeleiteten Turnaround weiterführte, hat der Klub systematisch an einem Modell gearbeitet, das Wettbewerbsfähigkeit und Haushaltsdisziplin nicht als Gegensätze behandelt. Präsident Paolo Scaroni und CEO Giorgio Furlani haben diesen Kurs konsequent gehalten – auch dann, wenn es unbequem war.

Sparmaßnahmen, die tatsächlich wirken
Die Kaderverkleinerung für eine reine Ligasaison war keine Notlösung, sondern ein kalkulierter Schritt. Mehrere hochdotierte Verträge wurden nicht verlängert, die Lohnsumme sank um rund 10 Millionen Euro. Gleichzeitig wurden operative Kosten gesenkt und die aufgegebene Immobilienentwicklung in San Donato nicht weiter abgeschrieben. Summa summarum: Die Gesamtkosten schrumpfen um etwa 20 Millionen Euro.
Aber die Einnahmen fallen stärker. Das ist die schlichte Wahrheit hinter dem Minus. Die Einsparungen reichen nicht, um das Fehlen der europäischen Prämien zu kompensieren – und das war auch nicht zu erwarten.
Was den Schaden abfedert, ist das Transfergeschäft. Der Verkauf von Theo Hernández, Malick Thiaw, Tommaso Pobega, Noah Okafor und Alex Jiménez spülte Buchgewinne in die Kasse, die den Transfererlös auf über 100 Millionen Euro heben. Hinzu kommen mögliche Rückkaufoptionen für Leihspieler wie Samuel Chukwueze, Lorenzo Colombo und Pietro Terracciano, die das Defizit weiter drücken könnten.

Die bilanz, die eigentlich stärke zeigt
Ein Eigenkapital von 199 Millionen Euro und eine Nettoverschuldung von lediglich 93 Millionen Euro – das sind die eigentlichen Schlagzeilen dieser Bilanz. Milan kann den Verlust intern absorbieren, ohne den Aktionär um frisches Kapital bitten zu müssen. Bestehende Kreditlinien reichen aus, um den Liquiditätsbedarf zu decken. Das Vendor Loan, einst ein Symbol der Übergangsphase, ist inzwischen vollständig getilgt.
RedBird selbst spielt derweil auf einem anderen Feld: Der Fonds begleitet Paramount bei der milliardenschweren Übernahme von Warner Bros. Discovery – ein Schachzug, der zeigt, wie tief die strategische Verzahnung von Sport, Medien und Entertainment im Geschäftsmodell verankert ist. Milan ist dabei nicht nur ein Fußballklub, sondern ein Baustein in einem globalen Medienimperium.
Drei Gewinnjahre in Folge nach 17 Jahren Verlust. Dann ein kontrolliertes Minus ohne Europacup. Für einen Verein, der noch vor wenigen Jahren am Rand der finanziellen Handlungsunfähigkeit stand, ist das nicht der Rückfall in alte Zeiten – das ist der Beweis, dass das Fundament hält.
