Polanski zieht nach köln – ohne angst, aber mit klarem auftrag

Eugen Polanski redet nicht drum herum. „Die Jungs müssen liefern“, sagt der Trainer von Borussia Mönchengladbach am Freitagmittag, 24 Stunden vor dem 93. Rhein-Derby beim 1. FC Köln. Kein Satz klingt nach Ausrede, kein Wort nach Selbstzweifel. Der 40-Jährige steht in der Pressezone des Borussia-Parks, Arme verschränkt, Blick klar. Er weiß, dass sein Team mit 28 Punkten noch immer im Sog des Abstiegs steckt. Er weiß auch, dass Köln mit 25 Zählern noch tiefer in der Glut sitzt. Und er weiß ganz genau, was das morgen bedeutet: kein Spiel wie jedes andere.

Der tabellendrang verrät nur die halbe wahrheit

Die Zahlen sind hart, aber sie erzählen nicht alles. Köln hat in der Rückrunde nur zweimal gewonnen – beide Male gegen Aufsteiger, beide Male mit Glück im Detail. Gladbach wiederum gewann das Hinspiel 3:1, doch seitdem rutschte die Borussia selbst in die roten Laternen-Region. Polanski spürt das Paradoxon: „Wir haben drei Punkte Vorsprung, trotzdem ist die Stimmung beim FC rauer – weil sie unten sind, weil sie daheim spielen, weil sie zuletzt verloren.“ Die Logik des Abstiegskampfes kennt keine Gefühle, nur Differenzen.

Er selbst lief als Spieler im Derby auf, kennt den Knall, die Gesänge, den Gestank von Rauch und Adrenalin. „Als Profi war der Druck groß, aber begrenzt: Du musst dir selbst helfen“, sagt er. „Als Coach musst du 25, 30 Menschen synchron halten – und ihre Familien, ihre Berater, ihre Ängste.“ Deshalb reduziert er das Thema auf eine einzige Frage: „Wer ist bereit, die Basics zu erfüllen?“ Zweikämpfe, Laufwege, klare Pässe. Alles andere sei „Romantik, die man sich vor dem Fernseher leisten kann“.

Rocco reitz kehrt zurück – seine zukunft schon verkauft

Rocco reitz kehrt zurück – seine zukunft schon verkauft

Mittelfeldspieler Rocco Reitz, am Dienstag offiziell für 15 Millionen Euro nach Leipzig verkauft, steht nach Rotsperre wieder zur Verfügung. Ob er als Kapitän aufläuft, lässt Polanski offen: „Er wird spielen, mehr verrate ich nicht.“ Die Ironie ist nicht zu überhören: Der Mann, der Gladbach morgen retten soll, ist längst weggezogen. Die Fans werden ihn trotzdem feuern – solange er kämpft. Danach wird er zum Feindbild der Kurve werden. So schnell wechselt die Loyalität im Derby.

Köln fehlt neben dem gesperrten Schwäbe auch Skhiri, die Abwehrmitte wirkt improvisiert. Doch Polanski warnt: „Die größte Schwäche des Gegners ist seine vermeintliche Schwäche.“ In Derby-Funklochern zählt kein Trend, keine Statistik. Es zählt, wer zuerst das Tempo erhöht, wer zuerst das Foul macht, wer zuerst jubelt. „Wenn wir glauben, Köln sei schwach, sind wir selbst schon halb geschlagen“, sagt er.

Am Samstag um 15.30 Uhr steht er an der Seitenlinie, wird wieder diese ruhige Handbewegung machen – nach vorne, immer nach vorne. Die Borussia muss gewinnen, um nicht wieder in den Strudel zu geraten. Der FC muss gewinnen, um nicht zu versinken. Polanski nennt das „ein normales Spiel mit unnormaler Lautstärke“. Doch das ist gelogen. Nichts ist normal, wenn 50.000 in Köln brüllen und die Region erbebt. Dann zählt nur: Wer liefert – und wer kapituliert.