Rai 3 zeigt comencinis drogen-drama: vaterliebe zwischen filmset und fix
Heute Nacht schlägt Rai
3 die Brücke zwischen Terrorjahre und Familientrümmern. Il tempo che ci vuole erzählt, wie ein Regisseur in den Anni di piombo seiner Tochter beim Entzug hilft – und dabei mit ihr gemeinsam die Kulisse seines größten Films wieder auferstehen lässt.
Pinocchio wird zum kokain-spiegel
Francesca Comencini baut das berühmte Puppen-Set von Vater Luigi originalgetreu nach. Doch statt Holzspäen liegt weißes Pulver zwischen den Balken. Fabrizio Gifuni, der Vater, schneit sich mit Tochter Romana Maggiora Vergano durch verschneite Szenenbilder, während draußen Schüsse knallen und drinnen Entzugszuckungen das Kamerastativ erschüttern.
Die 104 Minuten sind kein nostalgischer Blick zurück, sondern ein Schlag ins Gesicht der italienischen Filmgeschichte. Comencini zeigt, dass die Jahre der Gewalt nicht nur die Politik zerrissen – sie zerfraßen auch die Familien. Wer 1976 Pinocchio drehte, baute sich gleichzeitig eine zweite Heimat aus Pappmaschee, weil die echte zuhause längst abbrannte.
Die Kritiker in Venedig sprachen von „autobiografischem Verrat“. Die Zuschauerquote wird heute um 23:30 Uhr zeigen, ob Italiens Nachtpublikum bereit ist, sich zwischen Kindheitsmärchen und Junkie-Realität zu entscheiden. Die Werbefernsehen haben bereits ihre Prime-Time-Slots geräumt – zu groß ist die Angst, dass das Programm zu nah an der Wahrheit rührt.
Wenn die Endgültige Abspann läuft, bleibt ein Satz im Raum stehen: „Der Film ist die einzige Droge, die Vater und Tochter teilen – und gleichzeitig das einzige Mittel gegen die Sucht.“ Kein Happy-End, nur ein Cut. So wie das Leben eben auch kein Fade-out kennt.
