Filipe luis lanciert atlético-krimi: „simeone kaut die champions-league-pläne für barça klein“

Brunete – Ein Samstag, der klingt wie ein Seitenhieb ins Champions-League-Achtelfinale. Filipe Luis landet in der kastilischen Provinz, lässt sich von Kids auf Schleichwegen umarmen und liefert vor Mikro und Handykamera die Soundspur, die Atlético de Madrid gegen Barça braucht: „Ich hoffe, dass Atlético weiterkommt – der Cholo kriegt sie mental fertig.“

Warum der ex-linksverteidiger simeones kader größer findet als sein eigenes erbe

Der Brasilianer, 38, spricht mit der Kehlkopfstimme eines Mannes, der 2014 mit Diego Simeone die Meisterschaft holte und heute die Taktikleine selbst in der Hand hält. „Wenn ich das Team sehe, ist es unendlich größer als 2019, als ich ging“, sagt er und meint nicht nur die 400 Millionen Euro Ablösesummen, sondern die Dichte an Spielern, die „hoch wie auch tief pressen können“. Die 3-5-2-Variante mit Griezmann als freiem Radarschirm und de Paul als vertikalem Sprengsel sei „schwer zu lesen, selbst für Guardiola“.

Die Fans in Brunete wollen Zahlen, kriegen aber Seelenmassage. „Wir haben damals mit elf Mann verteidigt, heute machen’s zwölf – der zwölfte ist der Druck, den der Cholo aufbaut“, lacht Filipe und zitiert Simeones Lieblingssatz aus der Kabine: „Wenn ihr zweite Bälle gewinnt, gewinnt ihr Europa.“

Warum er selbst noch nicht nach madrid zurück will – und warum brasilien ancelotti braucht

Warum er selbst noch nicht nach madrid zurück will – und warum brasilien ancelotti braucht

Die Rückkehr ins Wanda Metropolitano als Coach? „Noch nicht“, sagt er und kratzt sich am Dreitagebart. „Ich bin seit meiner Pensionierung 2023 nicht eine Woche stehengeblieben. Jetzt fahre ich durch Europa, schaue Trainingseinheiten von De Zerbi bis Xabi Alonso und baue mein Netzwerk.“ Die Absage klingt wie eine Bewerbung, nur langsamer. „Atlético war meine Uni, aber ich will nicht auf eine Lehrstelle drängen, wo ich noch keine Diplomarbeit abgeliefert habe.“

Stattdessen liefert er Analystenmaterial für Carlo Ancelotti. „Brasilien brauchte einen Europäer, der Politik und Presse aussen vor lassen kann. Ancelotti ist der Kühlschrank, der die Temperatur runterdreht, wenn Neymar, Vinícius und Rodryo kochen.“ Die Seleção sei „das einzige Team mit zwei Top-5-Spielern der Welt“, deshalb sei „Viertelfinale Minimum, alles andere Sabotage“.

Flamengo, psg-tränen und der plan, die champions league zu klauen

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Sein Abflug von Flamengonach einer perfekten Saison samt Libertadores-Sieg klingt wie ein Trennungslied. „Wir haben alles gewonnen, nur die Klub-WM nicht, weil die Lotterie vom Punkt uns hasst.“ Die Tränen nach dem Elfmeter-Krimi gegen PSG habe er „mit den Spielern geteilt, nicht mit der Geschäftsführung“. Der Club habe „den Zyklus beendet – ich nehme den Stolz mit, nicht den Groll“.

Jetzt sitzt er in der Mittagssonne von Brunete und diskutiert mit Jugendtrainern über Positional Play gegen Gegenpressing. „Mein Stil? Dominant, aber nicht arrogant. Ich will 60 Prozent Ballbesitz, aber wenn der Gegner um 70 prozentiert, drehe ich den Schalter um und lasse ihn laufen – bis er sich selbst findet.“

Die Champions-League-Wahrscheinlichkeiten? „Bayern oder Madrid kommt ins Finale. Und wenn Atlético den Barça ausschaltet, haben wir eine spanische Halbfinale-Invasion. Dann wird der Cholo wieder sagen: ‚Wer zweite Bälle gewinnt …‘ – und die Jungs werden ihn verstehen.“

Er steht auf, lässt sich ein Selfie mit einem Jungen im veralteten Atlético-Trikot mit dem Rückennummer-3-Siebdruck „Filipe“ einfangen. Bevor er in den Wagen steigt, sagt er leise, aber deutlich: „Ich komme zurück – aber nur, wenn ich bereit bin, Simeone zu übertreffen. Und das dauert mindestens ein Jahr.“ Die Türen des Geländewagens schließen sich, der Staub setzt sich. In Madrid beginnt in vier Tagen der Krieg gegen Barça – mit einem Plan, der in Brunete geboren wurde.