Fifa unter beschuss: fans zahlen 41-fache preise für wm-tickets

Die FIFA versteigert Fußball wie Champagner. Das Ergebnis: ein Platz für das WM-Finale 2026 kostet auf dem Zweitmarkt 143 750 Dollar – 41-mal mehr als vor drei Monaten. Die europäische Fan-Dachorganisation Football Supporters Europe (FSE) und der Verbraucherverbund Euroconsumers reichten gestern bei der EU-Kommission eine formale Monopolklage ein. Sie werfen dem Weltverband „willkürliche Preisexplosionen“ und „undurchsichtige Verkaufsmechanismen“ vor.

Die Zahren sprechen für sich. Das günstigste offizielle Finale-Ticket lag bei 4 185 Dollar – sieben Mal so viel wie in Katar 2022. Noch krasser: In den FIFA-Bewerbungsunterlagen war ein Durchschnittspreis von 1 408 Dollar angegeben. Die Realität übertrifft die Prognose um ein Vielfaches. „Ein Monopol verlangt Verantwortung, nicht Ausplünderung“, sagt FSE-Sprecherin Ronan Evain.

Dynamische preise sorgen für dynamische wut

Hinter dem Preisanstieg steckt ein Algorithmus, den die FIFA „dynamic pricing“ nennt. Je größer die Nachfrage, desto höher der Preis – ähnlich wie bei Flugtickets. Nur dass es hier um das Endspiel in New Jersey geht, nicht um einen Kurzstreckenflug. Wer jetzt noch zuschlagen will, muss zudem 15 % Vermittlungsgebühr an den Verband zahlen – Käufer und Verkäufer zahlen jeweils extra.

Die FIFA verkündet stolz, 508 Millionen Ticketanfragen eingegangen zu sein und jedes Spiel sei „ausverkauft“. Gleichzeitig hält sie einen unbekannten Kontingent an Karten zurück, die ab April in die „zweite Verkaufsphase“ fließen. Fans fürchten, dass dort dieselbe Preislogik greift. „Wenn alles weg ist, warum tauchen dann täglich neue Tickets für vierstellige Beträge auf?“, fragt der deutsche Fanbeauftragte Matthias Krull.

EU-Sportkommissar Glenn Micallef ließ beim UEFA-Kongress kein gutes Haar an der Praxis: „Fußball darf niemals kommerzielle und politische Erwägungen über das Erlebnis der Fans stellen.“ Die Kommission prüft nun, ob ein Eingreifen nach EU-Kartellrecht möglich ist. Ein Verfahren kann Monate dauern – die nächste Verkaufsphase beginnt in vier Wochen.

Von 21 dollar bis 143 750 dollar – die preisspanne ist ein schlag ins gesicht

Von 21 dollar bis 143 750 dollar – die preisspanne ist ein schlag ins gesicht

In der ursprünglichen Ankündigung hatte die FIFA günstige Tickets ab 21 Dollar in Aussicht gestellt. Tatsächlich kostete das bisher billigste angebotene Ticket 60 Dollar – und war nach Minuten vergriffen. Die Fananwälte fordern jetzt ein Preisfreeze auf dem Stand vom Dezember sowie eine 48-Stunden-Vorankündigung verfügbarer Kontingente. „Transparenz ist das Mindeste, was ein Monopolisten bieten muss“, so Evain.

Die FIFA antwortete auf Anfrage knapp: „Unsere Preisstrategie berücksichtigt verschiedene Marktsegmente.“ Mehr war nicht zu holen. Inzwischen kursieren im Internet Screenshots von Karten für das Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt, die für 30 000 Dollar den Besitzer wechseln. Die Quelle: die offizielle FIFA-Weiterverkaufsplattform.

Die Botschaft an die Fans lautet: Wer zahlt, spielt. Wer nicht zahlt, schaut im TV. Und dort kostet das Finale in 4K genau 0 Dollar – vorausgesetzt, die FIFA behält sich nicht auch die Bildrechte als nächstes Monopol.