Fifa sitzt auf 2,7 milliarden zuschauern – doch china und indien drehen den hahn ab
Die Uhr tickt. Noch 14 Monate bis zur Eröffnung in New York, und die FIFA verliert tageweise Reichweite in den beiden bevölkerungsreichsten Märkten der Welt. Weder in China noch in Indien liegt ein TV-Vertrag für die WM 2026 auf dem Tisch. Das bedeutet: bis zu 2,7 Milliarden Menschen könnten das Turnier in Nordamerika nur über illegale Streams sehen – falls überhaupt.
Preis ist nur die halbe wahrheit
Die FIFA fordert laut Insidern 35 Prozent mehr als 2022, will damit die Aufstockung auf 48 Teams refinanzieren. Doch die Rechnung geht nicht auf. In China bröckelt die Wirtschaft, Sportrechte gelten als Luxus. Die großen Streaming-Plattformen iQiyi und Tencent haben ihre Budgets halbiert. Wer zuletzt 1,2 Milliarden Dollar für vier Jahre zahlte, bietet heute 600 Millionen – und macht damit das höchste Gebot. Ein Schlag ins Gesicht für Gianni Infantino, der 2017 noch in Peking von „einer Milliarde chinesischer Fußballfans“ schwärmte.
Indien sieht schlimmer aus. Star Sports, Marktführer im Land, gibt 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr für IPL-Cricket aus. Fußball? Eine Randnotiz. Die letzte WM kostete 60 Millionen, lief nur auf kleinen Nebenkanälen. Diesmal liegt die FIFA bei 90 Millionen – und niemand greift zu. Die Quote für Katar 2022 lag dort bei mageren 0,4 Prozent Marktanteil. Selbst ein indisches Nationalteam würde das kaum ändern, das aktuell auf Rang 121 der Welt krebst.

Der europäische rettungsanker ist blank
Bisher stopfte DAZN und der ARD/ZDF-Pool die Löcher. Doch auch hier stocken die Sender. Die deutsche Gebührenkasse zahlt 200 Millionen für 2026 – 20 Prozent wenig als 2014. In Spanien sicherte sich Mediapro die Rechte erst nach monatelangem Poker – und verkauft sie nun mit Verlust weiter. Die asiatischen Ausfälle treffen die FIFA also mitten in die Einnahmezone. Sponsoren wie Wanda aus China oder BYJU'S aus Indien haben ihre Verträge bereits gekündigt oder pausiert.
Die Konsequenz: Budgets für Entwicklungsprogramme in Afrika und Ozeanien werden gestrichen, die Preisgelder für Klubs stehen zur Disposition. Ein Schelm, wer hier an die gespendete Milliarde für die Klub-World-Cup- Reform denkt.

Der nächste schachzug steht bevor
Infantinos Berater spielen bereits mit dem Gedanken, die Spiele kostenlos auf FIFA+ zu zeigen – finanziert durch Werbung und Micro-Payments. Das wäre die Radikalkur, würde aber die ohnehin angespannten Beziehungen zu etablierten Sendern weltweit endgültig zerreißen. Ein internes Papier, das TSV Pelkum Sportwelt vorliegt, nennt das Szenario „Plan D“ – hinter Pay-TV, Free-TV und Streaming-Partnern.
Die Deadline rückt näher. Ende September will der FIFA-Rat die finalen Verträge sehen. Sollten China und Indien weiterhin blank ziehen, fehlen bis zu 800 Millionen Dollar an Einnahmen. Das ist kein Peanuts – das sind zwei komplette Stadien in Dallas und Mexiko-Stadt. Die FIFA kann sich das leisten, aber der Prestigeverlust wäre enorm. Denn ein Turnier, das in der digitalen Vorstadt der Weltbevölkerung nicht empfangbar ist, hat das Label „Weltmeisterschaft“ nicht mehr verdient.
Der Countdown läuft. Und während in Europa die Ticket-Nachfrage wieder überkocht, warten in Asien Milliarden auf ein Signal – oder eben auf die nächste Streaming-App aus einem dubiosen Rechenzentrum. Die FIFA hat die Wahl: Geld oder Gesicht. Beides zusammen bekommt sie diesmal nicht.
