Felix bitterling rechnet mit olympia-panik ab: „wir sind kein trümmerhaufen“

Felix Bitterling schlägt zurück. Der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbands (DSV) spürt den Atem der Kritiker im Nacken – und wendet sich demonstrativ gegen die „Weltuntergangsstimmung“, die sich nach der Olympia-Debakel von Antholz über das deutsche Biathlon gelegt hat.

„Eine medaille reicht nicht – aber wir sind dran“

Die Bilanz war schonungslos: nur Bronze durch das Mixed-Team, daneben verpasste Podestplätze en masse. Bitterling gesteht ein, dass diese Ausbeute „unter unserem Anspruch“ liegt. Doch er weigert sich, die Katastrophenkeule zu schwingen. „Die Analysen laufen auf Hochtouren, bis zur Trainerklausur liegen alle Erkenntnisse auf dem Tisch“, sagt er im Gespräch mit Sport1. Dann spricht er das aus, was viele denken, aber keiner offen ausspricht: „Wir haben in Kontiolahti die Chance, neue Energie zu tanken – und die nehmen wir.“

Was kaum jemand wahrhaben will: Die Differenzen zu den Medaillenrängen waren oft im einstelligen Sekundenbereich. Lucas Fratzscher verpasste als Fünfter das Podest um 8,4 Sekunden, Selina Grotian landete im Sprint auf Rang vier – 5,7 Sekunden fehlten zur Bronzefee. „Solche Mikro-Gaps kann man mit besserem Material, präziserem Skiwechsel und einer Zehntelsekunde pro Schuss schließen“, erklärt Bitterling. Das klingt nach Detailarbeit statt Grundsanierung.

Der generationswechsel ist längst im gange

Der generationswechsel ist längst im gange

Ohne Franziska Preuß, die nach Antholz ihre Karriere beendete, und ohne die verletzten Anna Weidel und Justus Strelow geht das Aufgebot nach Finnland mit reduziertem Kader – aber mit einer Mission. Marlene Fichtner, Julia Tannheimer und Janina Hettich-Walz sollen jetzt liefern, was binnen zwei Jahren bei der Heim-WM in Ruhpolding Pflicht sein wird. „Wir haben keine Zeit mehr für Experimente, aber wir haben auch keine Lust auf Selbstgeißelung“, so Bitterling.

Die Staffel der Männer zählt auf die Konstanz von Philipp Horn und David Zobel, während Leonhard Pfund seine Olympia-Enttäuschung abschütteln muss. „Wer jetzt wieder klagt, versteht die Sportart nicht“, sagt der Sportdirektor. „Biathlon ist ein Roulette mit Wind, Wetter und Wachs. Unsere Aufgabe ist es, die Variablen so weit wie möglich zu minimieren.“

Die nächsten Tage in Kontiolahti sind deshalb mehr als ein Zwischensprint. Sie sind ein Stresstest für das Selbstverständnis des Verbands, der nach Jahren der Dominanz plötzlich mit mediokren Ergebnissen hadert. „Wir haben die Werkzeuge, wir haben die Athleten – und wir haben den Willen“, verspricht Bitterling. Ob das reicht, um die schwarz-rot-goldene Fanbase wieder hinter sich zu vereinen, entscheidet sich schon am Wochenende.

Die Erkenntnis bleibt: Wer sich nach einer enttäuschenden Saison in Selbstmitleid badet, verpasst den Anschluss nach vorn. Der DSV will lieber rechnen als jammern – mit Daten statt Dramen. Wenn das nicht klappt, steht Bitterling selbst bald im Fadenkreuz. Aber bis dahin pfeift er die Melodie der Aufbruchstimmung – lauter als alle Weltuntergangs-Sirenen.