Feldmeier schlägt zurück: „muskulös sein ist kein makel, sondern ein mädchen-trauma“

Sie traf Kanada, arbeitet neben dem Eis als Ingenieurin und wird trotzdem gefragt, warum sie so breite Schultern hat. Franziska Feldmeier, 27, Eisbären-Verteidigerin und Olympia-Heldin, packt aus: Der deutsche Fraueneishockey droht die Elite zu verlieren, weil Mädchen Angst vor eigenen Muskeln haben.

„Ich will kein oberkörper-training – sonst sehe ich nicht weiblich aus“

Diesen Satz hört Feldmeier in Kabinen, in Schulturnhallen, auf Social Media. „Das ist keine Laune, das ist erlernte Selbstzensur“, sagt sie rbb|24. Das Playboy-Foto-Shooting vor Peking 2026 war keine PR-Schnapsidee, sondern ein Gegenangriff. „Wenn wir jungen Spielerinnen nicht zeigen, dass ein starker Körper normal ist, verlieren wir sie an Ballett und Cheerleading.“ Die Zahlen sprechen gegen den Sport: In der Deutschen Frauen-Bundesliga arbeiten 80 Prozent der Akteurinnen neben dem Eis Vollzeit oder studieren. Die Bundeswehr stellt gerade mal zwölf Stellen frei – für 120 Spielerinnen.

Memmingen hat elf Nationalspielerinnen, Berlin vier. Trotzdem stehen die Eisbären im Finale. Feldmeier lacht kurz: „Wir sind das Klassenclown-Team. Aber Clowns haben nichts zu verlieren.“ Der krasse Favorit ECDC Memmingen bezahlt Gehälter, die an die 3. Liga der Männer heranreichen; Berlin zahlt 400 Euro Aufwandsentschädigung. „Wenn du nach dem Training noch von 19 bis 22 Uhr CAD-Zeichnungen kontrollierst, merkst du, warum Kanada 15:0 gewinnt.“

Die qualifikation 2030 soll die letzte hürde werden, die sie springt

Die qualifikation 2030 soll die letzte hürde werden, die sie springt

Feldmeier will nicht nach Nordamerika. „Ich bin Ingenieurin, nicht Austauschstudentin. Europa reicht mir.“ Ihr Plan: Mit einem Master-Abschluss und einem möglichen Meistertitel im Gepäck die Nationalmannschaft in die Top-Five der Weltrangliste schießen – dann gibt es für 2030 in Frankreich kein Qualifikations-Turnier mehr, sondern direkten Einzug. „Wir haben 1.300 Mädchen-Lizenzen im ganzen Land. Kanada hat 87.000. Wenn sich das nicht ändert, wird Olympia zur Dauerspielerei gegen die eigene Existenz.“

Am Sonntag geht die Best-of-Five-Serie los. Feldmeier hat einen Deal mit ihrer Klub-Chefin: Gewinnt Berlin, fliegt die komplette Mannschaft für ein Trainingscamp nach Südtirol – bezahlt aus dem Verkauf von Trikots, die „Muskel statt Muckis“ draufstehen haben. „Wenn wir das Finale gewinnen, haben wir vielleicht 200 neue Mädchen im Nachwuchs. Wenn wir verlieren, bleiben es zehn. So einfach ist die Rechnung.“

Sie trägt Schutzausrüstung, die für Männerkörper entwickelt wurde, und trotzdem nagelt sie Kanadas Superstar Poulin an die Bande. „Ich will nicht, dass meine Nichte irgendwann sagt: Ich bin zu kräftig fürs Eis. Ich will, dass sie sagt: Ich bin zu schnell für alle, die mich bremsen wollen.“