Fazzinis pfostenpech: so knapp verpasste lugano den lucky punch

Die Scheibe tanzte auf der Linie, das Halli hallte, und 7.300 Zuschauer hielten den Atem an. Luca Fazzini hatte den Puck so platziert, wie man es in Schulbüchern skizziert – doch das Eis war hart, das Glück ein Zürcher.

58 Minuten und 42 Sekunden waren gespielt, als Julius Honka mit erhobenem Stock die Kabinentür ins Schloss drückte. Draußen tobte sein Kollege Anton Hrubec, im Strafraum lag Harri Alatalo, und Referee Stefan Eichmann deutete sofort auf den Punkt. Keine Diskussion, nur ein lautloses „Boah“ aus der Lugano-Bank.

Die sekunden, die alles hätten ändern können

Fazzini sammelte sich an der blauen Linie, strich sich zweimal über das Tape, atmete durch die Maske, als würde er sich an die Luft eines anderen Planeten holen. Dann der Anlauf: langsam, fast lässig, bis er in der Slot-Zone die Hüfte einknickte und die Backhand-Deckung öffnete. Hrubec öffnete früh die Schoner, was Fazzini kurz irritierte – doch statt hoch auf die Fanghand zuzielen, entschied sich der Tessiner für die 5-Löcher-Variante. Die Scheibe rutschte sauber von der Innenkante seines Blades, flog knapp über das Eis, küsste die Unterkante der Latte, katapultierte sich nach links, streifte den Pfosten und ließ sich einmal komplett drehen, bevor sie stehenblieb. 18 Zentimeter Luft zwischen Gummi und Torlinie – gemessen von der Goal-Line-Cam, die den Vereinschefs erst nach Rückfrage der TV-Bilder zur Verfügung stand.

Reto Suri war als Erster zur Stelle, versuchte den Abpraller über die Linie zu bugsieren, doch Dean Kukan räumte mit der Schaufel ab. Die rote Torlampe blieb kalt, die grüne Zeitnahme lief weiter, und die Schiedsrichter bestätigten nach 11 Sekunden Videoanalyse: kein Treffer. Die Arena glich einem Kreisverkehr aus enttäuschten Seufzern und erleichterten Pfiffen – je nach Farbe der Mütze.

Warum hrubec den puck nie berührte

Warum hrubec den puck nie berührte

Die Antwort liefert die 200-Bilder-Super-Slow-Motion: Hrubec streckte die Blockerhand, verfehlte die Scheibe aber um vier Zentimeter. Stattdessen prallte der Puck genau in den Winkel zwischen Latte und Pfosten, wo das Eis infolge der Kälte(-1,8 °C Scheibentemperatur) eine winzige Delle bildet – genug, um die Rotation des Gummis zu unterbrechen. „Wenn der Puck eine Millisekunde später aufkommt, fällt er rückwärts rein“, sagte Goalie-Coach Daniel Manzato nach dem Spiel. „So aber dreht er sich wie ein Kreisel aus und bleibt liegen – das ist Statistik, keine Magie.“

Für Lugano bedeutete das 0:0 nach 40 Minuten eine mentale Delle. Die ZSC Lions hingegen spazierten in die Kabine, als hätten sie einen Geldschein auf dem Bahnhofsgleich gefunden. Coach Rikard Grönborg sprach von „einem kleinen Schutzschild der Eishockey-Götter“, während sein Gegenüber Luca Cereda nur den Kopf schüttelte: „Wir machen alles richtig – und bekommen trotzdem nichts geschenkt.“

Der rest ist zahlen

Der rest ist zahlen

Lugano war anschließend 67 Sekunden lang im Powerplay, traf den Pfosten erneut (diesmal Dario Simion) und kassierte kurz vor Schluss doch noch das 0:1 durch Sven Senteler, der nach einem Breakaway eiskalt verwandelte. Die Statistik zeigt ein Plus von 3,2 erwarteten Toren für die Tessiner – aber nur 0 effektive. Fazzini selbst nahm es mit Galgenhumor: „Ich schieße tausend Mal und treffe Stange oder Pfosten. Beim nächsten Mal nehme ich einfach einen Hammer mit.“

Die Niederlage lässt Lugano auf Rang fünf der National League zurückfallen, während die ZSC Lions vorübergehend die Tabellenführung übernehmen. Für die Fans bleibt die Erinnerung an diese 18 Zentimeter, die zwischen Triumph und Frust schwankten – und daran, dass Eishockey manchmal kein Sport, sondern ein Zufallsgenerator ist, der sich mit Schlittschuhen anzieht.