Fak zögert: gold-sprint nach 20 jahren? nur mit top-10-garantie

Jakov Fak schiebt die Entscheidung auf den Sommer. Der 38-jährige Slowene, seit 2006 im Weltcup unterwegs, will nur weitermachen, wenn er „gute Resultate“ liefern kann. Der siebte Platz in Kontiolahti – fehlerfrei auf 20 km – war kein Schönwetter-Ergebnis, sondern seine Visitenkarte für eine mögliche 19. Saison.

Der nebel lichtet sich erst nach otepää

Seit Monaten fragen sich Trainer, Konkurrenten und Sponsoren: Wie lange hält der Routinier durch? Faks Antwort blieb stets ein Schulterzucken. Nach dem Rennen in Finnland rückte er mit einer Bedingung heraus: „Wenn ich weitermache, dann nur, weil ich glaube, dass ich vorne mitfahren kann.“ Ein Satz, der im Biathlon-Zirkus wie ein Echo wirkt – schließlich war Faks letzte Saison-Bestmarke vor Kontiolahti Rang 14.

Die Null-Fehler-Runde am Freitag war seine erste seit der WM 2015. Damals gewann er Gold im Massenstart, heute kämpft er gegen die Uhr und gegen die eigene Skepsis. Die 7. Platzierung bedeutet mehr als nur Punkte; sie ist ein Lebenszeichen. „Kontiolahti ist mein emotionaler Zuhause“, sagt Fak. „Hier fühlt sich der Winter noch echt an.“

Medaillen, wechsel, wunden – eine karriere in stichworten

Medaillen, wechsel, wunden – eine karriere in stichworten

2006 debütierte er noch für Kroatien, 2010 folgte Bronze in Vancouver. Nach dem Wechel zu Slowenien krönte er sich 2012 zum Weltmeister im Einzel, 2015 folgte das Massenstart-Gold. Silber 2018 in Pyeongchang war seine bisher letzte Podest-Landung bei einem Großereignis. Die Saison 2014/15 blieb seine beste: dritter Gesamtweltcup, drei Siege, 11 Podeste.

Seitdem arbeitet er mit minimalem Rückhalt. Kein Nationalteam im klassischen Sinn, kein eigenes Serviceteam. Fak schraubt selbst an den Ski-Bindungen, bucht die Hotels, analysiert die Daten. Das macht ihn langsamer auf der Matte, aber unberechenbar auf der Schießbahn. Genau diese Mischung liebt das Publikum – und genau diese Mischung könnte seine Rettung sein.

Ein siebter, der wie ein sieg wirkt

Innerhalb der slowenischen Delegation kursiert ein Codewort: „Faktor Fak“. Gemeint ist die unberechenbare Energie, die der Altmeister mitbringt, wenn die Luft dünn wird. In Kontiolahti spürten das auch die Jüngeren. Kein Wunder, dass der Verband seinen Startplatz für die erste Runde im kommenden Winter bereits reserviert hat – unabhängig von der finalen Entscheidung.

Doch Fak lässt sich nicht drängen. „Ich brauche die Sommerpause, um Körper und Kopf abzulegen“, sagt er. Die Aussage klingt nach einem Mann, der weiß, dass ein einziger Fehler auf der Schießbahn schneller geht als 20 Jahre Erfahrung. Und nach einem Athleten, der sich selbst unter Druck setzt, weil er nur unter Druck funktioniert.

Die uhr tickt – doch sie tickt leise

Die nächsten Wochen werden entscheidend. Trainingslager auf der Gletscher-Piste in Obertilliach, physische Tests in Ljubljana, Gespräche mit Mentalcoach und Familie. Erst dann fällt das Urteil. Sollte er weitermachen, wäre er mit 39 Jahren der älteste aktive Biathlet im Weltcup. Sollte er aufhören, hinterlässt er eine Lücke, die nicht nur durch Medaillen, sondern durch Präsenz definiert ist.

Faks Erbe ist längst gesichert: zwei WM-Titel, zwei Olympia-Medaillen, 13 Weltcupsiege. Doch für den Slowenen zählt nicht der Blick zurück, sondern der nach vorn. „Ich will nicht zur Dekoration werden“, sagt er. Wenn er startet, dann um zu gewinnen – oder zumindest um zu zeigen, dass er es noch kann. Die Antwort kommt im Sommer. Bis dahin bleibt die Spannung, bleibt die Frage, bleibt der Mythos Jakov Fak – vielleicht ein letztes Mal.