Exequiel palacios: der einzige überlebende des wunder-bayer wagt den neuanfang
17 Millionen, ein zerrissener Leisten und ein halbes Team, das abgewandert ist – Exequiel Palacios bleibt trotzdem. Der Argentinier hält den BayArena-Kurs, während die Bundesliga draußen über Leverkusen lacht.
Palacios erzählt, wie der club implodierte und warum er nicht mitging
Die Messe war vorbei, die Pokale verstaubt. Als Xabi Alonso im Sommer den Rückwärtsgang einlegte, rissen die Nähte. Tah nach München, Wirtz und Frimpong nach Liverpool, Xhaka in die zweite englische Liga – ein Exodus ohne Beispiel. Neun Spieler sind übrig, nur neun. Palacios zählt sie auf den Fingerspitzen ab und lacht trotzig: „Wenn die Großen gehen, tut’s weh. Aber sie haben es sich verdient, und ich hab hier noch was zu reparieren.“
Ein Blick auf die Tabelle reicht: Platz sechs, drei Punkte hinter Stuttgart, Champions-League-Plätze nur auf Papier. Die Rechnung des Vorstands ging nicht auf. Erik ten Hag flog nach zwei Spieltagen raus – Rekordsturz in der Bundesliga-Geschichte. Kasper Hjulmand kam, stabilisierte, aber der Druck bleibt. Palacios spricht offen aus, was alle denken: „Wir haben Punkte verschenkt, wo wir nicht mal wussten, wie.“
Die Verletzung half nicht. Abduktoreneinriss, 104 Tage Pause, OP im Oktober. Der Mittelfeldmotor verlor Öl, aber der Club hielt die Treue. „Sie haben mir sofort den Stift hingehalten, bis 2030“, sagt er und klopft auf das neue Trikot. Seit März ist er wieder durchgehend in der Startelf, nur gegen Augsburg musste er runter. Statistik-Leute liefern die Daten hinterher: 90 % Passquote, 22,9 Vorstöße pro Spiel – kein anderer Sechser der Liga trägt das Spielgerät so zuverlässig nach vorne.

Wie palacios sich für argentinien fitpaukt und den bayern-dämpfer vergessen machen will
Scaloni hat ihn auf der Vorliste, Katar-Held und zweimal Copa-Gewinner. Palacios grinst: „Ich komme älter, aber auch klüger. Die Beine spüren den Rasen wieder, der Kopf ist klar.“ Letzte Saison lief er neben Aleix García auf, dem Ex-Girona-Strategen. Zwischen den beiden entstand ein Telepathie, die dem Chaos Taktik entlockte. Doch auch García schaut jetzt Richtung Premier League. Palacios bleibt, wieder allein.
Die Rechnung ist einfach: gewinnt Leverkusen am letzten Spieltag, rutscht es vielleicht noch auf Rang vier. Verliert oder remisst, wird die Europa League zum Trostpflaster. Aber der Argentinier hasst Trostpflaster. „Wir haben 90 Minuten, um das Jahr zu retten. Das ist alles, was zählt“, sagt er und drückt die Kappe fest auf den Kopf. Wer danach bleibt oder geht, steht nicht zur Debatte. Palacios hat sich längst entschieden.
