Euroleague-schock: paris feuert tabellini – 28-jähriger deutscher julius thomas übernimmt

Paris Basketball schmeißt den Italiener raus, der erst im Sommer als heißer Favorit gehandelt wurde. Francesco Tabellini ist Geschichte. Nach dem blamablen 85:95 gegen Bourg und dem 17. Platz in der EuroLeague ziehen die Franzosen den Reißriegel. Julius Thomas wird mit 28 Jahren zum jüngsten Chefcoach der EuroLeague-Geschichte ernannt – und das, nachdem er vor drei Jahren noch in Bonn die Spielzettel sortiert hat.

Tabellini war ein fehlgriff – die zahlen lügen nicht

138 Spiele, 22 Niederlagen – das war Tabellis Bilanz in Nymburk. In Paris? 33 EuroLeague-Spiele, 21 Pleiten. Die 12 Siege reichen nur für Rang 17, das Playoff-Tor ist zu. In der heimischen Ligue 1 sackte das Team auf Platz drei ab, hinter Monaco und Nanterre. Die Niederlage gegen Bourg war der finale K.o.-Tropfen. Die Vereinsbosse um Eigentümer David Kahn mussten handeln, sonst wäre die Saison vorzeitig gelaufen.

Doch wer ist dieser Julius Thomas, der jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen soll? Ein Deutscher, der vor vier Jahren noch als Videoanalyst bei den Telekom Baskets Bonn an der Seitenlinie stand. Tuomas Iisalo erkannte das Talent, nahm ihn als Assistenzcoach mit nach Paris. Unter Tiago Splitter war Thomas Lead Assistant, als Paris sensationell die EuroLeague-Playoffs erreichte. Nach Splitters Abgang blieb er Tabellini als taktisches Hirn erhalten – jetzt steht er selbst vorne.

Der junge wildcard mit der playoff-erfahrung

Der junge wildcard mit der playoff-erfahrung

Thomas kennt die Codes der Spieler, er hat T.J. Shorts und Nadir Hifi mit aufgebaut. Seine Handschrift: schnelles Side-Step-Pick-and-Roll, viel Corner-Drei, aggressive Switch-Defense. Die Spieler hörten schon letzte Saison lieber auf ihn als auf Tabellini. Die Entscheidung war intern längst klar, nur das Timing musste sitzen. Nach dem Bourg-Debakel war der Moment da.

Die EuroLeague ist ein Tempo-Monster. In 13 Tagen geht’s nach Madrid zum Top-Spiel gegen Real. Dann folgt Partizan Belgrad. Thomas muss sofort liefern, sonst wird Paris zur Saison-200-Millionen-Leiche. Die Tabelle lügt nicht: 12 Siege, 21 Niederlagen, Tordifferenz minus 123. Die Playoffs sind nur noch rechnerisch drin. Aber Kahn spricht trotzdem vom „Stark-Finish“. Kein Wunder, die Franchise ist auf europäischer Bühne erst zwei Jahre alt – ein Abrutschen in die zweite Gruppe wäre ein Imageschaden.

Was jetzt auf dem spiel steht

Was jetzt auf dem spiel steht

Die nächsten fünf Spiele entscheiden über Thomas’ Zukunft. Verliert Paris gegen Real und Partizan, ist die Saison gelaufen. Gewinnt das Team zwei von drei, bleibt ein Fünkchen Hoffnung. Die Fans sind gespalten: Die Hälfe feiert den mutigen Generationswechsel, die andere fürchtet sich vor der Inkompetenz eines 28-Jährigen. Die Spieler dagegen posten auf Instagram sofort Teamfotos mit Thomas – ein Zeichen, dass die Kabine hinter ihm steht.

Paris Basketball war ein Projekt der Superlative: 50 Millionen Euro Etat, neue Arena, Netflix-Doku. Jetzt hängt alles an einem deutschen Coach, der vor drei Jahren noch in der Zweitliga-Arena in Bonn saß. Die EuroLeague ist kein Kindergarten mehr. Thomas miele jetzt beweisen, dass er nicht nur ein Assistent mit PowerPoint-Skills ist, sondern ein Chef, der Teams rettet. Die Uhr tickt. In 72 Stunden steht Real Madrid auf dem Plan. Dann wissen wir, ob der jüngste Trainer der Geschichte ein Genie ist – oder nur der nächste Fehler.