Essener jura-studentin stürzt sich aus 5 metern – und landet auf dem podest

Anastasia Papavasileiou hängt kopfüber, fünf Meter über dem Parkett, keine Sicherung, kein Netz. In diesem Moment ist sie nicht die angehende Juristin, die nächsten Monat ihr Referendariat am Essener Landgericht beginnt. Sie ist Luftakrobatin – und jetzt offiziell die beste Deutschlands.

Vom taekwondo-dojo in den schwebe ring

Die 30-Jährige holte in Dessau Doppel-Gold in Aerial Hoop und Aerial Pole, Disziplinen, bei denen sich Sportlerinnen an Stange oder Ring in die Höhe ziehen, um sich dann mit scheinbarer Leichtigkeit durch die Luft zu wirbeln. „Ohne Trainingsbande geht gar nichts“, sagt sie. „Die Leine würde sich verheddern – und mich mitreißen.“

Das Vertrauen in den eigenen Körper hat sie sich über Jahre erkämpft. Erst Taekwondo, dann Tanz, nun vier Mal pro Woche Halle in Essen-VI-Dance. Jede Einheit beginnt mit 30 Minuten Mobilität, damit Schultern und Hüfte den abrupten Richtungswechseln standhalten. „Ein gerissener Muskel bedeutet Pause – und die kann ich mir nicht leisten.“

Zwischen paragrafen und pirouetten

Zwischen paragrafen und pirouetten

Nebenbei schreibt sie Hausarbeiten über Deliktstatistiken, hilft in elterlichem Café aus und gibt selbst Unterricht. „Die Leute denken, ich bin verrückt“, lacht sie. „Aber wenn ich abends nach Hause komme und noch 20 Seiten Skript wälzen muss, bin ich hellwach – das Adrenalin hält mich wach.“

Der nächste Stopp: WM im Oktober. Dort trifft sie auf Athletinnen aus 42 Nationen, viele davon Vollprofis mit staatlicher Förderung. Papavasileiou reist an – ohne Sponsoring, ohne Sportstipendium, nur mit Koffer voll Klebeband und dem festen Vorsatz, das Kunststück zu wiederholen, das sie schon in Dessau perfekt machte: den Moment, in dem Gravitation nur noch Theorie ist.

Die Juristin fliegt. Und kommt vielleicht als Weltmeisterin zurück.