Wm 2026: rudelgucken in nrw wird zur mini-sache – warum die euphorie fehlt
Dortmund, Düsseldorf, Köln – die großen Fanmeilen, die zur EM 2024 noch das Fußballfieber entfachten, bleiben für die WM 2026 weitgehend aus. Ein Blick über den Fußball-Nordrhein-Westfalen zeigt: Die Vorfreude auf die Spiele in den USA, Kanada und Mexiko ist gedämpft, und das spiegelt sich auch im öffentlichen Interesse am „Rudelgucken“ wider.
Die städte halten sich zurück – sicherheitsbedenken und kosten spielen eine rolle
Eine Umfrage des WDR hat ergeben, dass zahlreiche Städte im Land sich als Veranstalter zurückziehen. In Lüdenscheid entschied man sich aufgrund der späten Anstoßzeiten gegen Public Viewing. Mülheim (Ruhr) geht sogar noch weiter und hat Public Viewings im Innenstadtbereich komplett verboten – aus Gründen des Sicherheits- und Lärmschutzes. Auch Düren, Krefeld, Wuppertal, Remscheid und Solingen machen mit.
Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig. Neben den unübersichtlichen Anstoßzeiten, die oft mitten in der Nacht stattfinden, spielen auch die gestiegenen Kosten eine immer größere Rolle. Maik Grondkowski, Inhaber von Glas Strack in Bochum, berichtet: „Insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Personal und Infrastruktur sind die Kosten erheblich gestiegen.“ Die FIFA verschärft zudem ihre Lizenzrechte, was die Sponsoring-Suche erschwert.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Recklinghausen setzt weiterhin auf eine Zusammenarbeit mit einer Veranstaltungsagentur und wird vor dem historischen Rathaus alle Spiele zeigen, die bis 22 Uhr angepfiffen werden. Bis zu 7.500 Besucher finden hier Platz. Auch in Heinsberg und Hückelhoven sind kleinere Public Viewings geplant.

Private veranstalter springen ein – aber die risiken sind hoch
Während die Städte zurückhalten, versuchen private Veranstalter, das Public Viewing-Feuer am Brennen zu halten. Die Arena auf Zeche Ewald in Essen lockt mit 10.000 Besuchern, während in Herten ein Open-Air-Event stattfindet. Philipp Johnen, Eventmanager aus Mönchengladbach, sieht jedoch die Risiken: „Lass es dann mal bei den Deutschland-Spielen regnen. Das ist alles ein Riesen-Risiko!“
Die Kooperation von Telekom mit Sky, die Gastronomie-Betrieben nun die kostenlose Übertragung aller WM-Spiele ermöglicht, könnte hier Abhilfe schaffen, doch das wirtschaftliche Risiko bleibt für viele Veranstalter hoch. Die geringe Vorfreude auf die WM, kombiniert mit den gestiegenen Kosten, führt dazu, dass das Public Viewing in NRW 2026 deutlich kleiner ausfällt als noch vor vier Jahren. Die Faszination des großen Fußballfestes wird in diesem Jahr wohl eher im kleinen Kreis erlebt.
Die WM-Partien der deutschen Nationalmannschaft bieten zumindest noch Anlass zur Hoffnung: Am 14. Juni gegen Curaçao, am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste und am 25. Juni gegen Ecuador – Spiele, die auch die zurückhaltendsten Fußballfans mobilisieren könnten. Ob die Kommunen angesichts des Interesses dann doch noch Ausnahmen von der Nachtruhe genehmigen, bleibt abzuwarten.
