Koschinat schaltet angriffsmodus ein: rwe jagt den traum von liga zwei

Sechs Siege in Serie, drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Osnabrück – und ein Trainer, der endlich wieder laut wird: Uwe Koschinat hat Rot-Weiss Essen in den Aufstiegsmodus versetzt. Nach dem 3:1 in Schweinfurt ruderte er seine Zurückhaltung ein: „Jetzt greifen wir richtig an.“

Koschinats zweiter frühling am hafen

Der 54-Jährige landete im Dezember 2024 einen Befreiungsschlag. RWE lag damals im Tabellenkeller, drei Zähler trennten das Team vom rettenden Ufer. Was folgte, war ein Sprint: Kein einziges Spiel verloren, Klassenerhalt frühzeitig sichergestellt. Die aktuelle Saison ist die Fortsetzung dieses Märchens – nur mit besserem Ausgangsziel.

Die Zahlen sprechen für sich: 18 Punkte aus den letzten sechs Partien, 16 Gegentore auf 30 Spiele. Doch hinter den Statistiken steckt ein Mann, der sich selbst neu erfunden hat. In Osnabrück galt er als gescheitert, beurlaubt nach wenigen Monaten. In Essen ist er der „Koschi“ aus dem Volksmund, der mit zittriger Stimme Plastikstühle tritt – und danach mit klarer Analyse aufwartet.

Ingolstadt wird zur schicksalswoche

Ingolstadt wird zur schicksalswoche

Samstag, 14 Uhr, Hafenstraße: Gegen Ingolstadt kann Rot-Weiss die Aufstiegsampel auf Grün stellen. Der Gegner hat sich seit der Winterpause wie ein Fahrstuhl bewegt – nur nach unten. Koschinat weiß, dass seine Spieler den Moment riechen. „Wir haben gelernt, mit Druck umzugehen“, sagt er. Gemeint ist: Sie haben gelernt, mit seinem Druck umzugehen.

Der Fußball-Lehrer, einst in Köln gemeinsam mit Roger Schmidt und Sami Hyypiä geprüft, verlangt jeden Tag Volldampf. Wer nicht läuft, fliegt. Wer zweimal nicht läuft, darf mit ihm Plastikstühle treten. Die Mannschaft lacht – und rennt. Denn sie spürt: Diese Saison könnte die werden, in der ein Traum endlich Wirklichkeit wird.

Ein Sieg am Samstag, und der Vorsprung auf Rang vier wächst auf neun Punkte. Dann dürfte selbst der aufgeregte Koschinat kurz durchatmen – bevor er wieder anschreit. Denn der Aufstieg ist kein Wunschkonzert mehr. Er ist ein Angriff, den er selbst befehligt.