Hepatitis-a-explosion in italien: 42 % mehr infektionen in nur drei monaten

631 Fälle – und das nur bis März. Die Kurve der Hepatitis-A-Infektionen in Italien schießt senkrecht nach oben. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 443 Erkrankte, meldet das Seieva-Surveillance-System des Istituto Superiore di Sanità. Dahinter steckt kein Zufall, sondern ein Muster: Campania, Apulien und Latium liefern die meisten Meldungen. Die Zahlen für 2026 klingen wie ein Alarmsignal.

Wie das virus über salate und muscheln ins essen kommt

Die Ansteckung läuft lautlos ab. Ein Biss in eine rohe Venusmuschel, ein Salatblatt, das vor dem Verzehr nur kurz abgespült wurde – fertig ist die Infektion. Hepatitis A verläuft fäkal-oral, das heißt: Winzige Reste infizierten Stuhls landen über die Hand auf dem Brot. Die Inkubationszeit: 15 bis 50 Tage. Viele Betroffene merken nichts, andere bekommen Fieber, Übelkeit, gelbe Augen. In seltenen Fällen richtet das Virus die Leber aus.

Die Länder mit den meisten Ausbrüchen teilen sich ein Profil: hohe Bevölkerungsdichte, Tourismus, maritimes Klima. Campania meldet bundesweit die höchste Rate – dort lagern Rohwaren aus ganz Süditalien. Doch selbst in Mailand hat man mittlerweile Cluster identifiziert. Die Ursache: mangelhafte Kühlketten und Personal, das ohne Handschuh roh und gar auf derselben Arbeitsfläche zubereitet.

Impfboom und hygiene-marathon: was wirklich hilft

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Die Lösung ist weder teuer noch neu, nur vergessen. Zweimal Impfen – fertig. Der Impfstoff schützt lebenslang, Nebenwirkungen sind selten. Seit 2017 empfiehlt die Italienische Gesellschaft für Infektiologie die kostenlose Impfung für alle Kleinkinder; Erwachsene zahlen in der Apotheke rund 60 Euro. Doch die Quote stockt bei 35 %. Stattdessen setzen viele auf „bio“ und vergessen, dass Bio keine Keime kocht.

Kochen ist das Stichwort. 90 Grad, zwei Minuten – das Virus ist empfindlich. Rohe Austern sind tabu, Beeren werden vor dem Verzehr blanchiert. Wer im Restaurant bestellt, sollte offene Küche verlangen: Handschuhe wechseln, separate Bretter für rohes Fleer, Dosierpumpen statt offener Majo. Klingt pingelig? Die Statistik lügt nicht: In Betrieben mit HACCP-Zertifikat fiel die Ausbruchsrate um 68 %.

Und die anderen Hepatitiden? B und C sinken kontinuierlich – dank Blutspendetest und Antiviralia. Hepatitis E dagegen steigt, vor allem bei Männern über 60. Das Virus sitzt in rohem Wildschwein; die Leitlinie heißt hier: durchgaren oder vegetarisch grillen.

Die Bilanz ist ernüchternd. Solange Impfmüdigkeit und Küchensparsamkeit sich decken, bleibt Italien ein Einfallstor für ein eigentlich aussterbendes Virus. Die nächste Reise-Saison beginnt in acht Wochen. Die Frage ist nicht, ob neue Fälle kommen – sondern wie viele Impftermine bis dahin leer bleiben.