Essen zerlegt ingolstadt in der nachspielzeit und jagt den traum

Sieben Spiele, sieben Siege – Rot-Weiss Essen schreibt derzeit die heißeste Aufstiegs-Geschichte der 3. Liga. Gegen Ingolstadt wackelte der Tabellenzweite lange, dann schlug er in fünf verrückten Minuten nach der 90. doppelt zu. 4:1 lautet die Zahl, die die Revier-Truppe am Samstagabend mit in die Kabine nahm – und die 60.000 Fans im Stadion mit auf die Straße.

Das spiel, das erst in der nachspielzeit explodierte

Essen begann wie ein Boxer, der den Gegner in den ersten Runden nur testet: viele Standards, wenig Risiko, dafur jeden Zweikampf. Die Ecke-Serie brachte nichts ein, doch der erste flüssige Angriff schon. Lucas Brumme schlug einen Diagonalball, Dickson Abiama drehte Gustav Christensen mit einem Haken ins Leere und traf via Innenpfosten – 1:0, Essener Logik.

Ingolstadt antwortete mit dem nächsten Standard. Jasper Maljojoki stieg am kurzen Pfosten hoch und köpfte so hart, dass Jakob Golz nur noch hinterherschauen konnte. Die Gäste waren plötzlich da, Essen verlor die Räume, die es vorher so souverän beherrschte. Kurz vor dem Seitenwechsel vergab Brumme zweimal – und sah Gelb Nr. 5. Er fehlt nun im Topspiel in Cottbus. Ein Satz, der im April wehtut.

Hofmanns bogenlampe und der doppelschlag in der nachspielzeit

Hofmanns bogenlampe und der doppelschlag in der nachspielzeit

Die zweite Hälfte war keine vier Minuten alt, da flog ein Ball, der eigentlich eine Flanke sein wollte, unter die Latte. Jannik Hofmann hob die Arme, das Publikum hob das Dach. 2:1, und plötzlich spielte nur noch ein Team. Ingolstadt rannte an, Essen ließ laufen. In der 78. Minute köpfte Jaka Cuber Potocnik die Latte, im Gegenzug zischte Max Besuschkows Schuss knapp drüber – das war’s dann auch schon mit der Schanzer Hoffnung.

Klaus Gjasula schob in der 92. Minute einen abgefälschten Schuss ins Netz, Potocnik erhöhte Sekunden vor dem Abpfiff. 4:1 – ein Ergebnis, das die Statistik streichelt, die Wahrheit aber nur zur Hälfte erzählt. Denn zwischen der 28. und 88. Minute war dies ein offener Schlagabtausch, keine Demonstration.

Am sonntag geht’s nach cottbus – und die liga spielt mit

Am sonntag geht’s nach cottbus – und die liga spielt mit

Essen hat jetzt 63 Punkte, zwei mehr als Cottbus, drei weniger als Spitzenreiter Freiburg II. Die Tabelle ist so eng wie die U-Bahn zur Stoßzeit. Fehlt nur noch ein Sieg in der Lausitz, dann darf die Stadt am Baldeneysee wieder von der Bundesliga träumen. Die letzte Zweitliga-Saison liegt 18 Jahre zurück, das weiß jeder, der damals im Steegkamp stand.

Was bleibt, ist das Gefühl: Essen ist nicht einfach nur heiß, Essen ist unberechenbar geworden. Und das macht sie in dieser Liga gerade zur gefährlichsten Mannschaft. Kein Gegner will sie mehr im Kalender sehen.