Essen wirbt trotz abstiegsangst zwei österreicherinnen mit nationalteam-erfahrung
Die SGS Essen kassiert in der Bundesliga fast jedes Wochenende, liegt drei Punkte hinter dem rettenden Ufer – und präsentiert trotzdem schon die ersten Neuzugänge für 2024/25. Die kommen aus Österreich, sind 19 und 21 Jahre alt, und haben beide mehr Länderspiele absolviert als die halbe Essener Startelf zusammen.
Albrecht war in altach kaum noch aus der elf zu verdrängen
Selina Albrecht lief in dieser Saison 15-mal in 16 Ligaspielen für den SCR Altach auf. Innenverteidigerin, kann aber auch links und rechts außen aushelfen. „Absolutes Stammpersonal“ nennt Geschäftsführer Florian Zeutschler die 19-Jährige, die 16 Mal für österreichische U-Nationalteams spielte. Der Verein lobt ihre Robustheit, ihre Spielübersicht – und die Tatsache, dass sie in einem Klub gelebt hat, der europäisch angreift. Altach stand in den Play-offs der Conference League, Essen steht mit dem Rücken zur Wand.
Albrecht selbst redet nicht vom Klassenkampf, sondern von „familiärem Umfeld“ und „Entwicklung“. Das klingt nach Standard, ist aber ein Signal: Wer nach Westdeutschland wechselt, muss bereit sein, in eine Mannschaft zu springen, die gerade erst im Pokal gegen Bremen gewann, aber in der Liga seit acht Spielen nicht mehr siegte.

Wirnsberger bringt tore mit – und eine lange sturm-graz-vergangenheit
Anna Wirnsberger ist zwei Jahre älter, dafür schon seit sieben Jahren Profi. Mit 16 debütierte sie für Sturm Graz, hat in 92 Bundesliga-Einsätzen zwölf Tore erzielt – eine Quote, die selbst manche Stürmerin neidisch macht. Essen will sie auf der rechten Abwehrseite einsetzen, dort wo in dieser Saison schon drei verschiedene Spielerinnen experimentiert wurden und keine Lösung hielt.
Zeutschler spricht von „herausragender Trefferquote“, Wirnsberger selbst von „neuem Schritt“. Beide wissen: In Graz war sie Stammspielerin, in Essen wird sie sofort liefern müssen, sonn wird der Abstieg Realität. Die SGS hat nur 13 Punkte auf dem Konto, muss am Freitag gegen Bayern ran – und dann noch gegen Wolfsburg, Leverkusen, Frankfurt.
Die Frage ist nicht, ob die beiden Österreicherinnen Qualität haben. Die Frage ist, ob sie rechtzeitig kommen. Ihre Verträge gelten erst ab Juli, das Trainingslager startet Mitte August. Bis dahin muss Essen womöglich schon in die Relegation.
Der Klub also wirbt, während er taumelt. Das ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Wer runterrasselt, verliert Sponsoren, Zuschauer, Perspektive. Da helfen zwei junge Verteidigerinnen mit Nationalteam-Erfahrung mehr als jedes Sommerloch. Essen setzt auf Zukunft, weil die Gegenwart brennt.
