Vicenza aufstieg: rosso weint, vater renzo erntet, gallo bleibt?

Stefano Rosso trat ohne Basecap ins Stadio Menti – und mit Tränen in den Augen. Nach vier Jahren C-Serie schießt Vicenza zurück in die Serie B, und der Präsident lässt die Maske fallen: „Gewinnen ist nie selbstverständlich.“

Diese promotion schmeckt nach verspätung

Die letzte Aufstiegsfeier 2020 verpuffte vor leeren Rängen, Covid-19 stahl 12.000 Stimmen. Jetzt wurden sie laut: Rufe, Gesänge, ein einziges Raunen, als der Schiri in der 93. Minute die Pfeife kiekt. 12.000, aber nicht ausverkauft. Rosso nimmt’s nicht übel: „Die Stadt gibt uns immer, jetzt müssen wir ihr das Ticket zur Wiedergutmachung machen – 10.000 Dauerkarten sind das Ziel.“

Renzo Rosso, Gründer von Diesel, Vater, Unternehmenszeichen, stand am Rand des Rasens, stahl sich selbst keine Träne. „Er hat mit uns gelitten, er hat diese B-Promotion mehr verdient als jeder andere“, sagt Stefano. Ein Bild, das sich ins Firmament der Vicenza-Legenden einreiht neben Baggio, Rossi und dem berüchtigten Menti-Pfosten.

50 Millionen, dann minus eins – trotzdem aufstieg

50 Millionen, dann minus eins – trotzdem aufstieg

Seit 2018 flossen 50 Mio. Euro in den Kader, nach dem Abstieg 2022 wurde jedes Jahr eine Million weggestrichen. Die Moral: „Nicht wie viel, sondern wie man investiert.“ Junge aus der Region, Scouting-Chef Nicolin, Campus-Projekt. Kein Fonds, kein Hedge-Geld, sondern lokale Unternehmer, die ihre Fabriken um die Stadt kennen. „Wir wollen keine Atalanta-Light, aber auch kein Dorfclub“, sagt Rosso. Global denken, lokal handeln – ein Modell gegen die ausländische Geldflut.

Und Matteo Gallo? Der Coach, der mit 4-2-3-1 und Tempofußball die C durchriss, steht auf der Kippe. „Für mich bleibt er, aber er muss wollen“, stellt Rosso klar. Die Entella hatte nach dem Aufstieg den Trainer weggeschickt – Vicenza will anders sein, doch der Ball liegt beim Gallo.

Derby-feuer wartet

Derby-feuer wartet

Nächste Saison brennt Venetien: Padua und Verona warten, alte Rivalen, neue Härte. „Exciting“, sagt Rosso mit einem Lächeln, das zwischen Siegesgewissheit und Respekt schwankt. Die Serie B ist kein Selbstläufer, sie ist ein Minenfeld, in dem schon große Namen zerplatzten. Rosso kennt die Karten: „Wir surfen auf der Welle, dann bauen wir weiter – mit Köpfen, nicht mit Köffern voller Euro.“

Am Tag nach der Party saß er schon wieder in Mailand, Termine, Showrooms, Modemacher. Die Uhr tickt, der Kalender ist voll. Aber vor dem Laptop blitzt noch die Erinnerung: seine Tochter Rania am Telefon, „Ti amo, bravo papà“. Das ist kein Sponsoren-Spot, das ist pure Emotion – und genau die wird Vicenza in der kühlen Serie B brauchen.