Endlich wieder zu hause: hertha 03 zehlendorf kehrt ins ernst-reuter-sportfeld zurück
Nach fast zwei Jahren
im Exil rollt am Sonntag endlich wieder der Ball im Ernst-Reuter-Sportfeld. Hertha 03 Zehlendorf darf heimspielen – und das ist mehr als nur ein Wechsel der Adresse. Es ist die Rückkehr in die eigene Haut.Klaus Schäfer ist nicht irgendein Reporter. Er atmet Fußball, schläft mit der Regionalliga-Tabelle unter dem Kopfkissen und würde auch sonntags um 7 Uhr für ein Interview über linke Außenstürmer aufstehen. Hier schreibt er, warum die 2,20 Meter Zaun am Gästeblock mehr bedeuten als drei Punkte.
Der zaun, der alles verändert
Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) verlangte eine Trennung zwischen Heim- und Gästefans. Klingt nach Bürokratie, ist aber der Unterschied zwischen Miete und Zuhause. Seit dem Aufstieg 2024 spielte Hertha 03 in Lichterfelde, fünf Kilometer Luftlinie, aber Welten entfernt. 3.000 Euro pro Spiel kostete die Odyssee, 23 Partien ohne echtes Heimrecht. Acht Siege, sieben Remis, acht Niederlagen – eine Bilanz, die nach Zwiespalt riecht.
Jetzt steht der Zaun. Kein Monument, aber ein Machtwort. Die Abnahme durch NOFV-Vertreter war diesmal kein Akt der Gnade, sondern eine Formalie. „Wir haben endlich einen wahren Heimvorteil“, sagt Präsident Kamyar Niroumand. Klingt wie ein Klischee, ist aber der Unterschied zwischen Bettsofa und eigenem Bett.

Der abstiegskampf bekommt eine bühne
Hertha 03 ist Tabellenletzter, neun Punkte aus 19 Spielen, elf Zähler Rückstand auf den rettenden Ufer. Die Statistik riecht nach Desaster, aber Statistiken kennen keine Emotionen. Seit sieben Partien wartet die Mannschaft auf einen Sieg, drei Remis, vier Niederlagen. Die Zahlen sind hart, aber sie erzählen nicht vom Puls in der Kabine.
Am Sonntag kommt der FSV Luckenwalfe. Kein Gigant, aber auch kein Geschenk. Die Premiere im Ernst-Reuter-Sportfeld wird kein Feuerwerk, sondern ein Kraftakt. Die Tribüne ist überdacht, das Flutlicht funktioniert, der Rasen winterfest. Was fehlte, war der Zaun. Jetzt ist er da. Und mit ihm die Identität.
Robert Schröder, einst Trainer der kleinen Hertha, prägte den Satz: „Es ist einfach was anderes, wenn wir im Ernst-Reuter-Sportfeld spielen.“ Er meinte nicht die Taktik, sondern die Seele. Nach Lichterfelde fährt man zur Not, nach Hause läuft man.
Die Berliner Stadionproblematik verliert ein Thema. Hertha 03 nicht den Abstieg. Die Rechnung ist simpel: Wer zuhause spielt, muss nicht mehr betteln. Und wer nicht mehr bettelt, kann wieder träumen. Selbst wenn der Traum nur heißt: 17. Platz.
