Emma aicher verpasst kristallkugel – shiffrin zieht davon
0,01 Sekunden. Ein menschliches Blinzeln dauert länger. Genau diese Mini-Distanz trennt Emma Aicher vom Podest, vom Selbstvertrauen, vielleicht vom Titel. Beim Super-G von Kvitfjell wird sie Vierte, tags zuvor Fünfte in der Abfahrt. Zwei Rennen, zwei Chancen – beide liegen in der Schneemasse von Norwegen.
Shiffrin lässt liegen, aicher kassiert
Die Rechnung war simpel: 200 Punkte liegen bereit, Mikaela Shiffrin verzichtet auf die Speed-Disziplinen. Doch die US-Amerikanerin muss nicht fahren, um zu gewinnen. Aicher holt nur 95 Zähler, Shiffrin bleibt trotz eines 22. Platzes im Super-G mit 45 Punkten Vorsprung vorne. „Ich bin in einer besseren Position als erwartet“, sagt Shiffrin im ZDF – und lacht nicht einmal.
Die Zahlen sind gnadenlos. Im Gesamtweltcup führt Shiffrin mit 1.222 Punkten, Aicher folgt mit 1.177. Beim Slalom in Hafjell am Dienstag kann Shiffrin den Sack zumachen. Sollte sie gewinnen, muss Aicher mindestens Vierte werden, sonst ist die Entscheidung vor dem Riesenslalom schon gefallen. Ein Sprint, der keiner mehr ist.

„Skifahrisch nicht wirklich zufrieden“
Aicher selbst klingt, als rede sie über ein Trainingsturnier: „Passt schon. Es war okay. Ich bin skifahrisch nicht wirklich zufrieden.“ Ihr Blick wandert zum Horizont, wo die Fjelleuchten. Dritter Platz im Super-G-Weltcup – das ist kein Trost, sondern eine Spiegelung. Hinter Sofia Goggia und Alice Robinson, vor allem aber hinter Shiffrin, die nicht einmal antritt.
Die Saison endet mit einem Kratzer im Helm. Aicher hat gezeigt, dass sie zur Weltspitze gehört. Aber die Kristallkugel bleibt diesmal ein Spiegel, in dem sich nur das Reflektiert, was hätte sein können. Nächstes Jahr ist sie 23 – und die Uhr tickt genauso schnell wie ein Slalom-Tor.
