Riera schmeißt götze raus – frankfurt fliegt gegen mainz
Ein Spaniener lässt einen Weltmeister zu Hause, ein Schwede darf mit 17 auf die Bank, und ein Nebel macht den Unterschied: 1:2 in Mainz, 0 Punkte für die Eintracht, 100 % Drama danach.
Albert Riera hatte die Koffer noch nicht richtig gepackt, da klingelte sein Handy schon. „Warum sitzt Mario Götze in der Kabine?“ Die Antwort liefert der Trainer live vor laufender Kamera – und sie klingt wie ein Schnipp gegen Deutschlands Liebling. „Nenn mir einen Namen, den ich rausnehmen soll, damit er reinrutscht.“ Riera schaut demonstrativ auf seine Aufstellung. Kein Platz für den 33-jährigen Weltmeister von 2014, stattdessen der Teenager Love Arrhov auf Position sieben, noch keine 70 Profi-Minuten auf der Uhr.
Riera zitiert aragonés – und meint götze ist der neue raúl
Die Referenz ist kalkuliert. Luis Aragonés ließ 2006 Raúl aus der spanischen Nationalelf fallen, weil die Alternativen zu gut seien. Riera war damals Teil des Kaders. „Ich habe gesehen, wie ein Idol geopfert wurde, damit ein Kollektiv stärker wird“, sagt er nach der Partie. „Heute ist Götze in dieser Rolle.“ Die Vertragsgespräche laufen übrigens weiter – nur eben ohne Garantie für Spielzeit.
Auf dem Platz erklärt sich der Coach die Niederlage nicht mit personellen Rochaden, sondern mit zwei Momenten, in denen sein Team einschläft. Minute 6: Nebel schlenzt abgefälscht zum 0:1. Minute 90: Nebel lauert am zweiten Pfosten, jagt das Leder zum 2:1. Dazwischen liegt ein DFB-Tor von Brown, viel Ballbesitz, null Durchsetzung. Mainz feiert, Frankfurt ärgert sich – und der 23-jährige Doppelpack-Torschütze schickt nebenbei seine Bewerbung an den Main-Taunus: Er stand im Sommer auf der SGE-Wunschliste.

Intern brodelt es – götze oder das team?
Die Kabine hält sich raus, aber zwischen den Zeilen sickert Dampf. Ein Leistungsträger murmelt von „Signal für alle über 30“, ein anderer findet: „Wenn Fitness reicht, muss der Kopf auch mit.“ Die Kapitänsbinde trägt Trapp, die Führungsriege aber wird neu sortiert. Riera betont: „Jede Woche ein anderes Gesicht“, doch genau das macht Profis nervös. Wer heute draußen sitzt, kann morgen wieder drin sein – oder eben nicht.
Die Tabelle lügt nicht: Frankfurt bleibt bei 18 Punkten, rutscht auf Rang neun. Die Europa-League-Plätze sind zwei Siege entfernt, die Stimmung eine Provokation. Götze muss sich fragen, ob er mit 33 noch Spielminuten oder mit 34 einen neuen Klub sucht. Riera muss sich fragen, ob er das nächste Mal Nebel stoppt – oder ob der nächste Gegner wieder nur zuguckt, wie der Nebel einschlägt. Eines ist klar: Gegen Leipzig am Samstag wird die Pressekonferenz vor dem Spiel spannender als die Partie selbst.
