Eisenach raubt leipzig den atem – 29:29 im ost-derby und die daumen für den klassenerhalt
29:29 in letzter Sekunde. Der ThSV Eisenach feiert im Ost-Derby beim SC DHfK Leipzig wie nach einem Finalsieg – und das, obwohl sein Team seit 2016 kein einziges Mal in der Arena am Alten Messeplatz gewinnen konnte. Doch dieser eine Punkt schmeckt nach Rettung.
Ein zähler, der wie drei wirkt
René Witte, Manager des Aufsteigers, atmet durch. „Acht Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz“, sagt er, und die Zahl klingt wie ein Sechser im Lotto. Denn Leipzig warf beim 26:29 in der 56. Minute alles in die Waagschale, doch Eisenachs neue Defensive, zusammengebaut aus Spielern, die vor zwei Jahren noch in der 2. Liga träumten, hielt die Schlagdreißiger weg.
Die Leipziger Anhänger rasten trotzdem aus. Ihre Mannschaft hatte die letzten vier Derby-Pleiten verdrängt, 29 Tore erzielt – und kassierte trotzdem keine zwei Punkte. Frank Carstens, Trainer des SC DHfK, redet sich tapfer in Rage: „Mit der Moral bin ich einverstanden.“ Doch die Moral zählt nicht in der Tabelle, sondern nur die Tore – und die sprangen auf beiden Seiten zu wenig in den Korb.

Leipzigs angstgegner eisenach – ein fluch mit namen
Die Statistik ist brutaler als jedes Foul: seit zehn Jahren hat Leipzig gegen Eisenach nicht mehr gewonnen. Seit 2016 wartet der Traditionsklub auf einen Heimsieg im eigenen Wohnzimmer. Die Nummer 13 folgt auf Nummer 12, und niemand im Club weiß, warum der Ball im entscheidenden Moment immer einen Zentimeter neben dem Pfosten landet.
Witte grinst, als er daran erinnert wird. „Diese Mannschaft hat mit der Vergangenheit nichts zu tun“, sagt er und meint damit, dass kein einziger Akteur mehr auf dem Feld stand, als Eisenach zuletzt in Leipzig siegte. Trotzdem bleibt der Mythos lebendig – und lastet schwer auf den Schultern der Leipziger.

Abstiegsrechnung: leipzig draußen, eisenach drin
Mit 19:21 Punkten rutscht Leipzig auf den Relegationsplatz. Eisenach dagegen hat 27 Zähler auf dem Konto und damit so viel Luft, dass selere Witte schon vom Derby-Wiedersehen 2024/25 träumt. „Ich wünsche unseren Freunden das Beste, aber wir müssen demütig bleiben“, sagt er – und weiß genau, dass Demut in der Liga oft nur ein schönes Wort für Angst ist.
Leipzig muss nun in Wetzlar gewinnen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Eisenach reisen mit breiter Brust nach Berlin und Flensburg. „Manchmal ist entscheidend, wann du die Auswärtspunkte holst“, sagt Witte. Er sagt es leise, aber es klingt wie ein Siegel auf einer Rettungsplan-Mappe.
Am Ende steht eine ironische Wahrheit: Leipzig war das bessere Team – und trotzdem der Verlierer des Abends. Eisenach holte nur einen Punkt – und fühlt sich wie der Meister der kleinen Zahlen. Wenn am 34. Spieltag die Relegation feststeht, werden alle wissen, dass der 29:29-Krimi von Leipzig mehr war als zwei Punkte geteilt: Es war die erste Wegmarke auf dem Weg in die 2. Liga – oder der letzte Atemzug, um in der 1. zu bleiben.
