Eintracht verspielt europa: mainz-debakel bricht rekord an ideenlosigkeit
66 Prozent Ballbesitz, null Plan. Die Eintracht fuhr als Jäger nach Mainz – und kehrte als Spielverderber zurück. Platz sechs ist jetzt kein Traum mehr, sondern ein Scherz. Das 1:2 beim FSV war keine Niederlage, es war ein Offenbarungseid. Denn wer so spielt, darf nicht jammern, sondern muss sich fragen, ob er überhaupt noch berechtigt ist, von internationalen Wettbewerben zu träumen.
Ein trio in der kettenkrankheit: larsson, chaibi, brown
Albert Riera schickte drei Spieler ins Zentrum, die eigentlich keine sind. Hugo Larsson ist ein Achter, der plötzlich als Sechser die Fäden ziehen soll. Farès Chaibi ist ein Flügelmann, der vertikal durch die Mitte stapft. Und Nathaniel Brown? Ein Linksverteidiger, der als Halbspieler auftaucht und prompt trifft – das war die einzige Szene, in der Frankfurt Mainz wirklich überraschte. Die restlichen 88 Minuten: Querpass, Querpass, Hintermannschaft, zurück zum Torwart. Ein Kreisverkehr ohne Ausfahrt.
Mainz spielte das Spiel, das Frankfurt eigentlich spielen wollte: tief, kompakt, mit Nadelstichen. Paul Nebel traf nach sieben Minuten – nicht weil er brillanter war, sondern weil Frankfurt nicht bereit war. Die Abwehr stand wie versteinert, der Mittelfeld-Dreier sah den Pass, reagierte aber erst, als der Ball schon im Netz zappelte. Es war das dritte Spiel in Folge, in dem die Eintracht gegen einen Abstiegskandidaten anführt – und es war das dritte Mal, dass sie am Ende mit leeren Händen dastand.

Ritsu doan: vom top-rechtsaußen zum systemfehler
Ritsu Doan war einst der Schnellste der Liga, ein Rechtsaußen mit Tor-Garantie. Jetzt irrte er zwischen den Linien, half im Aufbau, half in der Box, half überall – und war nirgends richtig. Die Statistik zeigt 17 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, aber keinen einzigen Torschuss. „Ich bin kein Freund von Ausreden“, sagte Doan nach dem Spiel, „aber wenn man mich fragt, wo meine Stärke ist, dann ist es der Außenraum, nicht die Zehn.“ Ein Satz, der lauter ist als jede Kritik.
Markus Krösche sprach von „fehlender Durchschlagskraft“, Jonny Burkardt von „nicht genug Bewegung“. Beide sagen dasselbe: Frankfurt ist bereit, aber nicht gefährlich. Die Statistik lügt nicht: 17 Torschüsse, nur vier aufs Tor. Kein einziger Ball lief durch die Mitte, kein einziger Pass spaltete die Kette. Mainz hatte weniger vom Spiel, aber mehr vom Ergebnis – weil sie wussten, was sie wollten. Frankfurt wusste es nicht.

Die letzten fünf spiele: ein trend, der wehtut
Seit Februar hat die Eintracht gegen die unteren fünf Mannschaften nur noch fünf Punkte geholt. Gegen St. Pauli, Heidenheim, jetzt Mainz – das ist kein Zufall, das ist ein Muster. Die Mannschaft dominiert das Spiel, aber nicht den Gegner. Sie hat den Ball, aber nicht den Plan. Und sie hat den Anspruch, aber nicht die Einstellung. Wer so tief stehende Teams nicht bezwingt, darf sich nicht wundern, wenn Europa absagt.
Albert Riera sagte nach dem Spiel: „Ihr wisst, warum ihr verloren habt.“ Er verschwieg, dass er es auch weiß. Die Lösung liegt nicht in neuen Systemen, sondern in klaren Rollen. Larsson muss wieder Achter sein, Doan muss wieder rechts sprinten, und die Kreativität muss wieder von der Bank kommen – nicht von der Theorie. Die Saison ist noch nicht vorbei, aber der Weg nach oben führt nicht über Mainz. Er führt über sich selbst. Und der ist zurzeit blockiert wie ein Kreisverkehr zur Rush Hour.
