Edwards zerstört mailands hoffnung – virtus siegt 104:94
Mailand, 15. März, 22:34 Uhr – Carsen Edwards trat vier Minuten vor Schluss an die Freiwurflinie, zog das Trikot wie ein Boxer die Handschuhe zurecht und versenkte beide. 90:81. In diesem Moment wusste jeder in der Unipol-Arena: Die Serie ist gebrochen, der Meister blutet, und die Virtus Segafredo Bologna marschiert weiter.
104:94 lautet der Endstand des vierten Saisonduells, die Olimpia EA7 liegt nun sechs Punkte hinter den Vu Nere – ein Abstand, der in der engen Liga wie ein Grand Canyon wirkt.
Alston führt, ferrari spaltet, edwards tötet
Ohne echten Point Guard war Bologna eigentlich angezählt. Dann aber startete Jordan Alston als Notnagel im Playmaking, warf 27 Punkte, verteilte fünf Assists und spielte sich in die Statistik wie in die Herzen der Tifosi. „Wir haben keine Ausreden mehr“, sagt er nach dem Spiel, „nur Lösungen.“
Die erste Lösung hieß Giordano Ferrari. Der Ex-Cividale-Akrobat kam von der Bank, schraubte sieben Punkte in Serie auf die Anzeigentafel und schickte Mailand mit 28:19 in die erste Pause. Die zweite Lösung kam aus Indiana und trägt die Nummer 23. Carsen Edwards verbrannte im letzten Viertel 16 seiner 28 Zähler – drei Dreier, ein Steal, ein Breakaway-Dunk. Die Olimpia-Defense sah aus wie ein Schachbrett, auf dem plötzlich die Figuren fehlen.
Doch Milano war nicht tot. Brooks erwachte nach der Halbzeit, Ricci traf vom Corner, Guduric schraubte sich für Dreier aus acht Metern. 74:73 vor dem Schlussabschnitt – ein Kracken im Bologneser Beton. Dann kam Edwards’ 8:0-Run. 82:73. Finito? Noch lange nicht.
Technische Fouls gegen Ricci und Bolmaro, Guduric mit fünf Fouls runter – Mailand riss die Fassade herunter, Bologna schlug die Tür zu. 104:94 – die neunte Pleite für die Olimpia in den letzten zehn Spielen.

Die kinderzimmer von morgen
Ein Video lief während der Pause: Dabone, 14 Jahre, 2,10 Meter. Bolognas Next-Gen-Projekt wirft Schatten bis in die NBA. „Ein Alien“, murmelt ein Scout aus Spanien. „Und er kommt von unserer Straße“, antwortet ein Vater, der seinen Sohn auf die Schultern nimmt. Die Arena tobt zweimal – einmal für Edwards, einmal für die Zukunft.
Die Tabelle spricht schonungslos: Virtus an der Spitze, Milano im freien Fall. Playoffs? Noch drin. Aber wer so ein letztes Viertel kassiert, baut nicht nur Körbe, sondern auch Selbstzweifel. „Wir müssen uns fragen, ob wir noch an uns glauben“, sagt Coach Ettore Messina nach dem Schlusspfiff. Seine Stimme klingt wie ein Metronom, das plötzlich den Takt verliert.
Für Bologna ist die Nacht jung. In den Bars um die Via del Pratello klingt schon das neue Lied: „Edwards-Alston-Ferrari, das ist unser heil’er Drei.“ In Mailand bleibt nur das Echo eines Blocks, der nicht kam, und die Erkenntnis: Wenn Carsen Edwards den Pullover auszieht, zieht er auch die Seele des Gegners aus.
Neun Siege in zehn Spielen. Die Virtus ist keine Mannschaft mehr – sie ist ein Zug, der vor Fahrt nicht mehr frägt.
