Ebner brennt: leipzigs punkt rettet nicht vor dem frust
29:29 gegen Eisenach – für SC DHfK-Keeper Domenico Ebner ist das kein Grund zum Aufatmen, sondern ein weiterer Schlag ins Gesicht. Der Abstiegskampf nagt an ihm, am ganzen Verein. „Wir sind sehr unzufrieden, aber am Ende müssen wir froh sein, dass wir überhaupt einen Punkt mitnehmen“, sagt der Italiener nach dem Schlusspfiff. Die Stimme rau, die Augenringe tief.
Der ball, der alles hätte ändern können
Leipzig führte in der Schlussphase mit drei Toren, doch wieder einmal glitt der Sieg durch die Finger. Ebner, der nach der Pause für den paradenlosen Tomas Mrkva zwischen die Pfosten rutschte, sah die gleiche alte Geschichte: „Wir bringen den Ball nicht aufs Tor. Drei Tore vorne, und wir finden keine Cleverness.“ Die Wortwahl ist bewusst schwach – Cleverness, nicht Können. Weil es nicht an Technik mangelt, sondern an Hirn.
Die Zahlen sind gnadenlos: seit acht Spielen kein Sieg, 29 Gegentore in der zweiten Hälfte gegen Eisenach, die meisten nach dem 26:23. „Da gehen alle Köpfe runter“, beschreibt Ebner den Kollektiv-Kollaps. „Und dann musst du schreien: Stopp! Nicht schon wieder!“

Alltag zwischen spieltagen
Was Außenstehende nicht sehen: der Tag nach so einem Krimi. Ebner packt es in einen Satz: „Ich merke, wie ich schneller genervt bin, wenn der Kassierer zu langsam ist oder das Handy nicht entsperrt.“ Die kleinen Dinge werden zur Qual, weil der große Kick fehlt. „Das Gefühl des Sieges ist wie ein Drogenschub. Wir hungern seit Wochen darauf.“
Der Klub droht erstmals seit der Wiederaufnahme in die Bundesliga 2016 den bitteren Fall in die 2. Liga. Die Konkurrenz aus Gummersbach und Hamm wartet bereits auf Ausrutscher. Leipzig hat zwei Spiele weniger, aber dafür nur einen Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Uhr tickt.

Paraden reichen nicht, wenn der kopf nicht mitspielt
Ebners Bilanz gegen Eisenach: acht Saves in 30 Minuten, darunter zwei Siebenmeter. Genug für einen Sieg – wenn der Rest mitzieht. Doch die Leipziger Werfer verpassten in der Schlussphase drei Großchancen, Eisenach traf postwendend. „Wir verstecken uns nicht“, sagt Ebner, „aber wir verstecken uns auch nicht vor der Wahrheit: Wir haben Angst zu gewinnen.“
Am Donnerstag wartet das Auswärtsspiel in Balingen. Ein Sieg würde die Sachsen zumindest für 48 Stunden aus dem Keller beamen. Ebner lacht schief: „Balingen ist keine Raketenwissenschaft. Wir müssen nur einmal über die eigene Schwelle trampeln.“
Die Saison hat noch sieben Spieltage. Für Ebner sind es sieben Finalspiele, in denen er sich selbst als Mental-Coach aufspielen muss. „Ich rede mit jedem einzeln. Manchmal braucht es Schimpfen, manchmal eine Umarmung.“ Der Punkt gegen Eisenach steht in der Tabelle, aber im Kopf der Leipziger zählt er als halber Abstieg. Ebner: „Wenn wir jetzt nicht zusammenrücken, werden wir das nicht mehr ausbügeln. Das ist kein Fluch, das ist ein Test. Und wir sitzen alle in einem Boot – mit Leck.“
