Dzeko fliegt, schalke stolpert: 96 stiehlt in letzter sekunde den sieg
Die Arena bebte, dann platzte der Traum. Schalke lag 2:0 gegen Hannover 96, der Spitzenplatz war zum Greifen nah – bis Edin Dzeko mit einem kickenden Bein statt mit dem Ball traf. Platzverweis, 2:2, blutende Ohren auf der Nordtribüne.
Die sekunde, die alles kippte
52. Minute, Mittellinie, Luftduell. Dzeko, gerade 39 geworden, springt, Charkroun duckt sich, das Knie landet brutal im Solarplexus. Robin Braun zückt Rot – keine Diskussion, nur ein müdes Kopfschütteln des Bosniers. Fortan spielt Schalke mit zehn, die Lautstärke fällt um 20 Dezibel. Die Gäste riechen den Gestank von Panik.
Die Zahlen sind gnadenlos: Vor der Ampelkarte 62 % Ballbesitz für Königsblau, danach 38 %. Hannover schiebt, Schalke verkriecht sich. Loris Karius, zurück nach Rückenbeschwerden, pariert einen Elfmeter gegen Leopold – aber er kann die Ecke nicht mehr fischen, Maik Nawrocki köpft ein. 81. Minute, 1:2, nochmal Atem.

Pichler nimmt schalke die luft weg
Die Uhr zeigt 90+4, letzte Aktion. Benedikt Pichler springt am zweiten Pfosten höher als Philipp Klement, köpft ins lange Eck. Die Gästeecke tobt, die Südtribüne verstummt. Es ist das dritte Mal in dieser Saison, dass Schalke in der Nachspielzeit einen Sieg verschenkt – keine andere 2.-Liga-Mannschaft kassierte so spate Tore.
Für Dzeko ist es die vierte Rote Karte im Profijob, zwei davon in Rom, eine im Nationaltrikot. Fehlt nun am Samstag in Darmstadt – und das, obwohl er vor dem Knall die Partie mit sechs Toren und vier Assists dominiert hatte. „Wir haben die Geschwindigkeit verloren, als wir in Unterzahl liefen“, sagt Kees van Wonderen mit schwarzem Humor: „Danke für die Geburtstagsfeier, Edin.“
Hannover dagegen feiert einen Befreiungsschlag: Erstmals seit sieben Auswärtsspielen bleibt die 96 ungeschlagen, rückt auf Platz fünf heran. Trainer Stefan Leitl spricht von „Charakter, den wir in der Kabine neu gegründet haben“. Die Statistik bestätigt: 32 % der Hannover-Tore fallen nach der 80. Minute – keine andere Mannschaft trifft so spät, so gnadenlos.
Am Freitag empfängt Hannover Braunschweig, Schalke reist tags darauf nach Darmstadt. Die Meisterschaft ist offener denn je: Vier Punkte trennen Platz eins von Platz sechs. Wer in der 2. Liga den Atem anhält, bekommt ihn in der Nachspielzeit zurück – oder nicht.
