Dzeko, 40 jahre alt, trägt bosnien nach cardiff – und vielleicht gegen gattuso

Edin Dzeko lacht nicht. Er knirscht. Mit 40 Jahren, 30 WM-Quali-Toren und einem Kreuzband, das längst kein Wort mehr mit ihm spricht, sprintet er am Donnerstagabend im Cardiff City Stadium in die Play-off-Halbfinale der FIFA-Weltmeisterschaft 2026. Gegen Wales. Gegen Harry Wilson. Gegen die 30 000 vom Nationalgefühl zitternden Waliser, die ihn als letzte Hürle zwischen ihrem zweiten WM-Ticket in Folge und dem Knall sehen.

Warum dzeko noch immer der gefährlichste mann des balkans ist

Die Zahl steht in der UEFA-Datei wie ein Tattoo: 30 Treffer in WM-Quali-Spielen. Nur Cristiano Ronaldo (34) und Robert Lewandowski (34) haben mehr. Kein Europäer schoss öfter aus der Distanz, keine Kopfballquote ist seit 2018 höher als seine 38,7 Prozent. „Wenn Dzeko in den Strafraum kommt, zieht sich die verteidigende Kette wie ein altes Zelt zusammen“, sagt Craig Bellamy, Trainer von Wales, und wischt sich dabei imaginären Staub von der Stirn. Er weiß, dass seine Innenverteidigung Joe Rodon und Chris Mepham gegen Belgien noch 4:2 kassierte – und Dzeko damals zwei Großchancen per Kopf vergab.

Die Bosnier verloren in der Gruppenphase nur einmal auswärts, blieben in fremden Stadien ungeschlagen. Das 1:1 in Wien am 18. November gegen Österreich reichte nicht für den direkten Einzug, aber es war ein Statement: Ohne Niederlage in fremden Stadien, mit Dzeko als Kapitän, der in der 88. Minute noch den Ausgleich vorbereitete. „Er atmet anders“, sagt Mittelfeldspieler Amar Dedic. „Wenn er sprintet, glauben wir alle, dass noch etwas geht.“

Der plan von bellamy: dzeko isolieren, wilson entfachen

Der plan von bellamy: dzeko isolieren, wilson entfachen

In der walisischen Analyse steht ein Name unterstrichen: „Dzeko-Block“. Doppelung vor dem Sechzehner, früher Pressing, dann sofort Umstellung auf Wilson, der in dieser Quali schon fünf Tore und sieben Vorlagen verbuchte. „Wir wollen Bosnien in zwei Halbräume zwingen“, verrät Co-Trainer Rob Page. „Links außen Dzeko, rechts außen Wilson – das ist unsere Parole.“

Die Wettmärkte spiegeln die Balance: „No Goal“ steht bei 1,80, ein Remis zur Pause bei 2,21. Die Buchmacher trauen keinem Team einen frühen Knock-out zu. Kein Wunder: In den letzten sieben Pflichtspielen fielen erst nach der 60. Minute 80 Prozent der Tore. Wer hier früh aufbricht, verliert Energie für den zweiten Akt.

Italia schaut mit: gattuso könnte auf dzeko treffen

Italia schaut mit: gattuso könnte auf dzeko treffen

Parallel kämpft Gattusos Squadra Azzurra in Bergamo gegen Nordirland. Gewinnt Italien und setzt sich Wales durch, winkt im Finale am 31. März ein Duell, das Dzeko schon 2014 in Brasilien erlebte – damals noch als Bundesliga-Torjäger. „Wenn wir Italien bekommen, spiele ich mein 100. Länderspiel“, sagt Dzeko. „Das wäre ein Kreis, der sich schließt.“

Doch vorher muss Wales erst einmal bezwingen. Die Heimbilanz der Waliser: nur eine Niederlage in den letzten 13 Partien in Cardiff. Die Heimbilanz von Dzeko: in seinen letzten fünf Auswärtsspielen drei Siege, zwei Remis, vier Tore. Eine von diesen Statistiken wird am Donnerstagabend Lügen strafen.

Anpfiff 20.45 Uhr. Dzeko wird nicht lächeln. Er wird knirschen. Und wenn der Ball in den Strafraum segelt, zieht sich die walisische Abwehr zusammen wie ein altes Zelt. Dann entscheidet sich, ob der 40-Jährige noch einmal die Weltmeisterschaft erlebt – oder ob Wales seine eigene Geschichte schreibt. Eines ist klar: Wer dieses Play-off verliert, hat 2026 frei. Und wer gewinnt, trifft vielleicht auf Gattuso. Die Uhr tickt. Die Knie auch.