Ducati-entwicklung im zwielicht: marquez-einfluss und fahrstil-zwang?
Jerez – Die Ducati-Werkstatt hat alle Hände voll zu tun. Nach schwachen ersten Rennen der MotoGP-Saison ringen sowohl Fabio Di Giannantonio als auch Francesco Bagnaia mit den Eigenheiten der GP26. Der Knackpunkt: Die Maschine scheint sich stärker an den Fahrstil von Marc Marquez anzupassen, was bei den Ducati-Piloten zu ungewohnten Kompromissen zwingt.

Die gp26: ein erbe von marquez?
Di Giannantonio brachte die Stimmung im Team offen zur Sprache: “In den letzten Jahren scheint die Entwicklung in Richtung Marquez zu gehen. Wir, Bagnaia und ich, tun uns schwer, Vertrauen zu finden, vor allem im Vorderbereich.” Er beschreibt ein Dilemma: Der aktuelle Setup zwingt ihn, einen anderen Fahrstil als gewohnt einzunehmen, was seine Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Die Ducati scheint also einen Wandel vollzogen zu haben, der nicht für jeden Fahrer optimal ist.
Bagnaia bestätigt die Probleme: “Ich fahre ständig defensiv, ich kann mich nicht voll und ganz auf das Motorrad verlassen. Das hindert mich daran, schnell zu sein.” Seine Worte sind ein deutliches Signal: Der Weltmeister muss sich anpassen, anstatt dass sich das Motorrad an ihn anpasst. Der italienische Hersteller scheint in eine Falle getappt zu sein, indem er versucht, eine Maschine zu entwickeln, die möglichst vielen Fahrern gerecht wird – mit dem Resultat, dass der individuelle Fahrstil leidet.
Es ist kein Geheimnis, dass Marquez’s aggressiver Fahrstil die Entwicklung bei Honda maßgeblich beeinflusst hat. Nun scheint dieser Einfluss auch bei Ducati nachwirken zu wollen. Doch während Marquez seine Bikes stets perfektioniert hat, kämpfen Di Giannantonio und Bagnaia damit, ihre Stärken in der GP26 auszuspielen.
Die Konsequenz ist eine veränderte Bremstechnik. Bagnaia erklärt: “Meine Stärke war immer das Bremsen und das Einlenken in die Kurve, aber mit diesem Motorrad kann ich es nicht mehr ausnutzen. Ich habe meine Art zu bremsen komplett verändert.” Ein Eingeständnis, das die Frustration im Ducati-Team deutlich macht.
Doch es gibt auch Hoffnung. Di Giannantonio äußert sich vorsichtig optimistisch: “Wir sind immer noch im Rennen gegen Aprilia.” Und Bagnaia ergänzt, dass auch andere Fahrer ähnliche Probleme haben. Die Frage ist, ob Ducati rechtzeitig die Kurve kriegen kann, um die Balance zwischen allgemeiner Anpassbarkeit und individuellen Fahrstilbedürfnissen wiederherzustellen. Der Druck steigt, denn Aprilia scheint die Nase vorn zu haben.
Die kommenden Rennen werden zeigen, ob Ducati in der Lage ist, die GP26 so anzupassen, dass sie nicht nur schnell, sondern auch für ihre Fahrer verlässlich und angenehm zu fahren ist. Sonst droht eine weitere Saison voller Kompromisse und verpassten Chancen.
