Dsv zögert: horngachers erben steht fest, heißt aber noch nicht

Planica – Der Abschied ist eingespielt, die Nachfolge verstrickt. Stefan Horngachers letzter Arbeitstag als Bundestrainer endet am Sonntag auf der Flugkugel, doch sein Name wird weiter durch die Mixed-Zone geistern – weil der Deutsche Skiverband (DSV) den neuen Mann weiter nicht nennt.

Sportdirektor Horst Hüttel schob sich vor laufenden Kameras ins Zwielicht: „Wir stehen direkt vor der Zielgeraden, aber wir sind noch nicht drüber.“ Die Formel klingt nach Zielgerade mit Ewigkeitsstufe. Hüttel verspricht: „Es wird nicht mehr lange dauern.“ Die Satzfolge hat er seit Februar im Repertoire.

Was olympiasieger wellinger so deutlich machte

Was olympiasieger wellinger so deutlich machte

Andreas Wellinger lässt die Nettigkeit platzen. „Die Entscheidung ist meines Wissens nach schon gefallen“, sagt er mit dem Lächeln eines Mannes, der gestern noch die interne WhatsApp-Gruppe gecheckt hat. Die Info, so Wellinger, „könnte heute noch bei uns landen“. Die Spielart verrät: Die Springerfraction ist genervt vom Geheimnis-Kreis.

Thomas Thurnbichler, lange Favorit auf die Nachfolge seines Landsmanns, dementiert sich selbst durch Schweigen. Der Österreicher neigt offenbar dazu, beim B-Kader zu bleiben – ein Rückzieher, der die Favoritenliste durcheinanderwirbelt. Stattdessen kursiert nun der Name Grzegorz Sobczyk. Der Pole betreut den bulgarischen Ein-Mann-Show-Skier Wladimir Sografski, der seit Monaten mit den deutschen Athleten trainiert – eine Liaison, die sich nun als verdeckte Bewerbung entpuppt.

Die Verzögerung kostet Nerven. Die Planstelle ist seit Januar offen, die Saison endet am Sonntag, und die Vorbereitung auf die Sommer-Grand-Prix-Startliste läuft schon. Wer im Mai nicht weiß, wer im Herbst die Gruppen einteilt, baut Druck auf, statt ihn abzubauen.

Horngacher selbst wirkt wie entlassen, nicht verabschiedet. Er schraubt seine Schluss-Rede, während die Verantwortlichen sein Erbe outsourcen. Die Ironie: Der erfolgreichste Bundestrainer der letzten Dekade verlässt den DSV, ohne den Nachfolger zu kennen – und der Verband präsentiert das als Professionalität.

Die Athleten fliegen heute noch über die Kulm-Schanze, die Entscheidung bleibt am Boden. Wellingers Prognose: „Ich bin mir sicher, dass wir bald Klarheit haben.“ Bald – ein Wort, das im DSV-Deutsch für „irgendwann vor der WM“ steht.