Draisaitl raus – oilers stehen auf messers schneide
Leon Draisaitl ist weg, und mit ihm 97 Punkte Saisonleistung. Die Edmonton Oilers müssen den Rest der regulären NHL-Spielzeit ohne ihren deutschen Superstar bestreiten – eine Hiobsbotschaft, die die Playoff-Träume der Kanadier plötzlich in die Schmelze rückt.
Der banden-hit, der alles änderte
Am Sonntagabend gegen Nashville rutschte Draisaitl nach einem Check in die Bande, blieb kurz liegen, dann humpelte er zur Kabine. 3:12 Minuten Eiszeit – das war’s für den 30-Jährigen. Die Diagnose: Unterkörper-Verletzung, Ausfall bis mindestens 16. April. Trainer Kris Knoblauch atmete tief durch: „Wir werden einige Zeit auf ihn verzichten müssen.“ Die Formulierung klang nach Strategie, war aber blanker Realismus.
Die Zahlen sind gnadenlos. Ohne Draisaitls 35 Tore und 62 Assists in 65 Spielen droht Edmonton der Sturz aus den Top-Acht-Plätzen der Western Conference. Der Vorsprung auf die Verfolger aus Vegas und Los Angeles: zwei Punkte, bei noch sieben Partien. Jeder einzelne ist jetzt ein Endspiel.

Mcdavid allein reicht nicht – wer trägt die last?
Connor McDavid wird die Kapitänsbinde noch fester umklammern, doch selbst der schnellste Spieler der Liga kann keine doppelte Punktwolke erzeugen. Evan Bouchard und Zach Hyman müssen die Scheibe öfter ins Netz drücken, Ryan Nugent-Hopkins wird zum Center umgeschult. Die Oilers haben Talent im Kader, aber kein zweites Powerplay-Gehirn wie Draisaitl.
Die Stimmung in der Kabine? Stoisch. Nach dem 3:1 gegen Nashville spielten die Oilers wie entfesselt – nicht aus Motivation, sondern aus Angst. „Wir wissen, was auf dem Spiel steht“, sagte Hyman. „Jetzt oder nie.“
Die deutsche leidenszeit geht weiter
Für Draisaitl ist es die zweite längere Pause innerhalb von drei Saisons. 2024 fiel er wegen eines Handgelenks aus, 2025 wegen einer Schulter. Jetzt der Unterkörper – keine Fraktur, aber ein komplexer Muskelfaserriss, der keine Belastung verträgt. Die Playoffs beginnen am 22. April. Ein Einsatz in Runde eins gilt als „sehr unwahrscheinlich“, interne Quellen sprechen von einer minimalen Chance erst ab Spiel vier, sofern Edmonton überhaupt dabei ist.
Die Nationalelf blickt bereits nach Bern. Die WM im Mai rückt näher, ohne Draisaitl wird das deutsche Team ein Zahnkranz weniger beißen. Bundestrainer Harold Kreis telefoniert täglich mit den Oilers-Ärzten. „Wir planen mit ihm, aber wir planen auch ohne“, sagt er knapp.
Die saison kippt an der kanada-grenze
Die Oilers haben 48 Stunden, um die Taktik neu zu schreiben. Die Pacific Division ist so eng wie selten: vier Punkte trennen Platz drei von Platz neun. Verliert Edmonton zwei der nächsten drei Spiele, rutscht es auf die außerhalb liegenden Plätze. Dann winkt kein Heimvorteil, sondern eine Reise durch die ganze Kontinentalliga.
General Manager Stan Bowman sitzt auf einem brennenden Stuhl. Trade-Deadline ist vorbei, Verstärkung gibt es nur aus der Farm. Die Bakersfield Condors liefern mit James Hamblin einen Center, der in der AHL 58 Punkte sammelte – in der NHL ist er aber ein Rookie, kein Draisaitl-Ersatz.
Die Fans in Rogers Place sind nervös. Die Ticketpreise für die letzten Heimspiele stiegen trotzdem um 18 % – Hoffnung ist teuer. Die Oilers-Marketingabteilung spielt das Narrativ „Next Man Up“, doch in den sozialen Kanälen kursiert bereits das Hashtag #PrayForPlayoffs.
Leon Draisaitl wird die Restsaison von der Press-Box aus verfolgen, mit angelegtem Eispolster und Blick auf das Eis, das ihn so schnell nicht zurücklassen wird. Die Oilers müssen jetzt beweisen, dass eine Mannschaft mehr ist als ein Superstar. Die Uhr tickt. Noch sieben Spiele, dann entscheidet sich, ob McDavid im April allein gegen die Liga antreten muss – oder ob Deutschlands bester Angreifer doch noch rechtzeitig aus der Kabine zurückkehrt. Die Playoffs warten, die Zeit auch.
