Draisaitl fliegt heim – münchen wird zur not-operationsbasis für oilers-star
Leon Draisaitl sitzt im Sky-Interview mit der Kappe tief im Nacken, spricht, als wäre nichts gewesen, und liefert trotzdem die Nachricht, die Edmonton in Atem hält: „Ich bin bis Dienstag in München, lasse mir von Doc Müller-Wohlfahrt helfen.“ Zwei Sätze, ein Schock. Der 30-Jährige flog nach einer Unterkörperverletzung aus der NHL direkt in die Bavaria-Medizin, statt in Kanada zu reha’n. Die Playoffs rücken näher, der Kanadier mit deutschem Pass spielt auf Zeit.
Die rechnung hinter der 6 000-kilometer-heimreise
Warum diese Eskalation? Die Edmonton Oilers haben ihren Topscorer offiziell auf die IR-Liste gesetzt, Rest-Hauptrunde gelaufen. Statt also mit dem Team zu bleiben, buchte Draisaitl einen Privatjet und landete Sonntagnacht in München. Quelle aus seinem Umfeld: „Hans-Wilhelm kennt Leonys Körper besser als jeder NHL-Physio – er war schon bei den Bayern, wenn Robben oder Ribéry lahmten.“ Das Vertrauen in Müller-Wohlfahrts Stammzell-Cocktails und die berüchtigte Nadel ist größer als die Angst vor Langzeit-Ausfall.
Die Diagnose klingt harmlos, ist es aber nicht. Unterkörperverletzung kann alles bedeuten – Leisten, Hüfte, Adduktoren. Vereinssprecher verweigern Details, doch Draisaitl selbst dampft nach der 4:0-Demonstration der Bayern gegen Union plötzlich durchs Olympiastadion und gibt offen zu: „Es wird mit Sicherheit ein paar Wochen dauern.“ Ein paar Wochen – das wäre Mitte April, genau wenn die ersten NHL-Playoff-Serien starten.

Ein blick auf den kalender zeigt: mit jedem tag wird die luft dünner
Edmonton liegt in der Pacific Division auf Rang zwei, punktgleich mit Vegas. Ohne Draisaitls 76 Punkte in 71 Spielen droht der Klamauk um die Meisterschaftsträume. Deshalb die Hail-Mary-Nummer nach Deutschland. Bekannte Münchner Orthopäden schätzen: Bei einer leichten Muskelzerrung wäre ein Comeback nach 14 Tagen denkbar, bei einer Hüft-Impingement-Syndrom eher sechs Wochen. Die Öl-Familie betet für Variante A.
Draisaitl selbst klingt wie ein Mann, der schon mal mit Schmerzen gespielt hat. Er spricht von „noch mal aushelfen“, nicht von „ich rette die Serie“. Das klingt bescheiden, ist aber der Beweis für seine Realitäts-Blase: Er weiß, dass er nur dann aufs Eis kann, wenn das Team ohne ihn überlebt. Oilers-Coach Kris Knoblauch muss also Pläne schmieden, die den deutschen Superhelden erst in Spiel vier oder fünf zurückholen – und bis dahin muss Connor McDavid alleine die Liga dominiert haben.
Am Dienstag fliegt der Stürmer zurück nach Kanada. Mit oder ohne grünes Licht von Müller-Wohlfahrt. Dann entscheidet sich, ob die Playoff-Plane mit einem deutschen Akzent endet – oder ob die Oilers erstmals seit 2006 wieder um den Cup kämpfen können. Die Uhr tickt, und Draisaitl weiß: „Wenn wir lange genug spielen, bin ich dabei.“ Diese Worte sind kein Versprechen, sondern ein Seufzer. Sport ist manchmal einfach nur die Hoffnung, dass der Körper mitspielt.
