Draisaitl fällt zehn spiele aus – oilers rutschen in playoff-angst
Die Edmonton Oilers haben ihren Superstar kurz vor dem Ziel auf Eis gelegt. Leon Draisaitl landet auf der Injured Reserve, zehn Spiele sind futsch – und mit ihnen vielleicht der Playoff-Traum.
Die diagnose kam per zettel, nicht per bodycheck
Die Nachricht traf die NHL wie ein Slapshot zwischen die Latten: Draisaitl, 30, Deutschlands bestbezahlter Export, wird mindestens 24 Tage pausieren. Die Oilers schoben ihn am Donnerstag auf die LTIR, die Liste für Langzeitverletzte. Damit ist der Stürmer garantiert bis zum Saisonende außer Gefecht – und das in einem Jahr, in dem Edmonton um die letzten Postseason-Plätze zittert.
Die Verletzung? Unterkörper, offiziell. Genauer will niemand werden. Die Liga, das Team, der Spieler – alle halten die Klappe nach üblicher Manier. Doch wer das 3:1 gegen Nashville am Sonntag sah, kennt die Bilder: Draisaitl flog nach einem Check an die Bande, humpelte, setzte sich, schleppte sich zur Kabine. 3:12 Minuten Eiszeit, dann war Schluss. Seitdem fragt sich ganz Kanada: Wie schlimm ist es wirklich?

Ein timing, das weh tut
Die Oilers stehen bei 83 Punkten, Rang neun im Westen – eine Position, die nicht einmal Wildcard heißt. Noch sieben Partien sind bis 16. April zu absolvieren, Draisaitl wird keine einzige bestreiten. „Natürlich bin ich enttäuscht“, sagte er in der ersten, vorsichtig formulierten Stellungnahme. „Der Zeitpunkt ist sehr unglücklich.“ Das klingt nach deutscher Höflichkeit, meint aber: Wir reden hier über die Endphase, um die sich Jahresgehälter drehen.
Ohne den 30-Jährigen droht Edmonton das Aus. Mit ihm erzielte das Team 38 Prozent seiner Tore in dieser Saison. Die Powerplay-Quote brach in den letzten beiden Spielen ohne Draisaitl gleich zweimal ein. McDavid allein kann nicht zaubern, selbst wenn er das Tempo vorgibt wie ein Metronom. Die Frage lautet jetzt: Wer füllt die Lücke im Slot? Dylan Holloway? Warren Foegele? Beide haben zusammen noch nicht so viele Goals erzielt wie Draisaitl in seinem schlechtesten Monat.
Die playoffs beginnen ohne deutschen akzent
Für die NHL ist der Ausfall ein Imageschaden. Draisaitl verkörpert das internationale Flair, das die Liga seit Jahren in Europa pusht. Seine Trikots landen in Berlin und Köln in den Top-Verkaufslisten, seine Interviews ziehen TikTok-Zahlen, die sonst nur US-Stars erreichen. Ohne ihn fehlt ein Gesicht – und das kurz vor dem Start der Postseason, wenn die Welt again auf die Scheinwerfer schaut.
Die Oilers müssen nun rechnen. Die LTIR-Regel erlaubt es, seinen Cap Hit temporär zu überbrücken, doch Geld spielt keine Tore. Trainer Kris Knoblauch testet schon neue Reihen, experimentiert mit fünf Verteidigern und sieben Angreifern, weil er Tempo über alles stellt. Die Gegner wittern Morgenluft. Calgary, Seattle, Vegas – alle direkten Konkurrenten – haben Edmonton noch auf dem Programm. Drei Siege dort würden reichen, um die Oilers doch noch ins Rennen zu schicken. Drei Niederlagen, und die Saison endet vor dem eigentlichen Beginn.
Draisaitl selbst will sich „komplett auf die Rückkehr konzentrieren“. Das klingt nach Standard, ist aber Programm. Die medizinische Abteilung hat ihm einen Plan aufgezeichnet, der mit leichtem Joggen beginnt und in drei Wochen mit Vollkontakt endet. Ob das reicht, um für die erste Playoff-Runde fit zu sein, steht in den Sternen – und in den Tabellenkolonnen. Denn wenn Edmonton fällt, spielt der Deutsche auch nicht im Mai. Dann bleibt nur die Heim-WM, ein Trostpflaster mit Nationalhymne statt Stanley-Cup-Glocken.
Die Oilers haben also zehn Spiele Zeit, sich selbst zu retten. Danach entscheidet sich, ob das Draisaitl-Jahr in Edmonton vorzeitig endet – oder ob der Kölner doch noch zurückkehrt, um das Schicksal mit einem Handgelenkschlag zu ändern. Die Uhr tickt. Die Punkte purzeln. Und irgendwo in Alberta sitzt ein 30-Jähriger auf dem Crosstrainer und weiß: Seine Saison hängt jetzt an der Kraft seiner Mitspieler.
