Dosb wirft politik pokerspiel vor – leipzig-beschluss zum sportfördergesetz sorgt für empörung
Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt – Kaum liegt der überarbeitete Entwurf zum Sportfördergesetz auf dem Tisch, da knallt es schon wieder. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wirft der Bundesregierung ein „One-Man-Show-Verfahren“ vor und fordert offen die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Schuld an dem neuen Streit: die geplante Leistungssportagentur, die laut Gesetzentwurf künftig über Millionenbeträge entscheiden soll – und dafür zwangsverpflichtet in Leipzig angesiedelt wird.
„Wir reden hier über die Zukunft des deutschen Spitzensports, nicht über ein Zweitliga-Stadion“, schimpfte DOSB-Chef Otto Fricke am Dienstag. Der Vorstandsvorsitzende bestätigte, dass die Standortentscheidung „ohne jede Rücksprache mit dem organisierten Sport“ gefallen sei. Erst Anfang der Woche sei ihm klar geworden, dass Leipzig im Gesetzentwurf als einzige Option festgeschrieben wird – ein Vorgehen, das Fricke als „administrative Schmiererei“ bezeichnet.

Frankfurt als gegenmodell: dosb wirft eigenen sitz in den ring
Der Dachverband sitzt in der Mainmetropole, dort liegen auch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft und das Olympiastützpunkt-Konzept verwurzelt. „Wir haben Infrastruktur, Expertise und Logistik schon vor Ort“, so Fricke. „Stattdessen wird eine neue Behörde in einem Bau aus dem Boden gestampft, deren Aufgaben wir schon heute erfüllen könnten.“
Das Kanzleramt hatte den ursprünglichen Entwurf im Oktober vorgelegt und daraufhin heftige Kritik von Verbänden, Ländern und Experten einstecken müssen. Die neue Version enthält zwar mehr Mitspracherechte für den Sport, doch der Leipziger Alleingang wirft die alten Vorwürfe wieder auf: Politik verspreche Augenhöhe, behandle den Sport aber wie einen „Bittsteller“.
Am Mittwoch berät das Kabinett. Fricke kündigte an, den Entwurf im Parlament erneut zu attackieren: „Wir werden jedem einzelnen Abgeordneten die Kosten für Personal, Gebäude und Parallelstrukturen vorrechnen.“ Laut DOSB-Interna könnte allein die Einrichtung der Agentur 40 Millionen Euro verschlingen – Geld, das in Nachwuchsarbeit und Trainerausbildung fließen könnte.
Die Uhr tickt: Sollte das Kabinett den Entwurf beschließen, muss der Bundestag noch vor der Sommerpause zustimmen, damit die Agentur 2027 arbeiten kann. Fricke bleibt hart: „Wenn Leipzig im Gesetz steht, empfehlen wir unseren Mitgliedern, den Entwurf abzulehnen.“ Dann droht ein Änderungsantrag im Bundestag – und ein erbitterter Machtkampf zwischen Sport und Politik, der sich mitten in die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele von 2028 ziehen könnte.
