Dörffel krönt sich zur königin, bloem schlägt durch – dm-krimi mit 99-punkte-show

Lucia Dörffel stemmte die Faust in die Luft, als hätte sie gerade die Welt erobert. 99,9 Punkte – ein Wert, der an diesem Samstagabend in Pfungstadt wie ein Komma zwischen Perfektion und Unmöglichkeit wirkt. Die 26-jährige Chemnitzerin schraubte ihre eigene Messlatte eine Idee höher und machte die Deutsche Meisterschaft im Bouldern zur Privatparty.

Der tag, an dem bloem endlich loslegte

Thorben Perry Bloem kannte man bisher als talentierten Achtplatzierten. Jetzt ist der 21-jährige Braunschweiger ein Namensträger. 99,4 Punkte – nur ein Hauch weniger als Dörffel, aber mit dem größeren Knall. Denn wer ihn in den vergangenen Saisons sah, witterte vor allem Potenzial. In der Finalroute „Blackout“ ließ er dieses Potenzial mit einem Sprung von der Pinch-Kante direkt ins Top explodieren. Finn Altemöller schaute von unten und wusste: Geschichte geschrieben, Platz zwei.

Die Halle tobte. 800 Zuschauer, die zwischen Matten und Magnesiumdampf dicht gedrängt standen, schalteten ihre Handys auf Dauerfeuer. Die Streams brachen zeitweise zusammen – Server, die einfach nicht glauben wollten, dass eine Frau fast hundert Punkte holt und ein Mann mit einem Bewegungsablauf den Titel klaut, den viele ihm noch für 2027 zutrauten.

Was hinter den zahlen steckt

Was hinter den zahlen steckt

Dörffels 99,9 bedeuten vier Tops und elf Zonen – ohne einen einzigen Fehlversuch. Paula Mayer-Vorfelder blieb mit 84,7 Punkten zwar hinter der Chemnitzerin, schraubte aber trotzdem an ihrem persönlichen Rekord. Afra Hönig aus Landshut landete auf 74,4 und lachte trotzdem: „Ich habe die Finalsensation überlebt, das ist mein Sieg.“

Bloems 99,4 sind eine Ansage an den Verband. Seit Jahren fordert der junge Routenbauer härtere, kreativere Finalprobleme – und beweist nun, dass er sie selbst löst. Lasse von Freier kam auf 54,5 Punkte, brauchte dafür aber fünf Versuche mehr als der neue Meister. Die Zeitstrafen frassen seine Chance. „Nächstes Jahr bin ich wieder da“, sagte er und wischte sich Magnesium aus dem Bart.

Die Deutschen Meisterschaften gelten als Seismograph für den internationalen Anschluss. Die Zahlen von Dörffel und Bloem würden im Weltcup locker für einen Top-10-Platz reichen. Bundestrainer Sebastian Pöhl nickte nur: „Wir haben zwei Athleten, die sich nicht mehr verstecken müssen.“

Die Saison ist noch jung, aber die Markierung gesetzt. In zwei Wochen geht’s nach Innsbruck zur Weltcup-Premiere. Dörffel packt ihren Reisekoffer, Bloem seinen Selbstvertrauens-Turbo. Wer dann die Kletterwelt verändert, weiß man spätestens, wenn wieder 99 Punkte an der Anzeigetafel leuchten.