Dopingfall cordeiro: schulz kassiert silber nach – bronze bleibt trotzdem
Martin Schulz hat jetzt zwei Medaillen aus Paris im Regal: die Bronze, die er über die Strecke jagte, und die Silbermedaille, die ihm der Postbotenkurierservice des IPC hinterherliefert. Der Grund: Ronan Nunes Cordeiro, der Brasilianer, der ihn am 2. September 2024 in der PTS5-Startklasse noch auf dem zweiten Platz verdrängt hatte, wurde wegen 19-Norandrosteron gesperrt. Das Ergebnis: Cordeiro raus, Schulz rauf – zumindest auf dem Papier.
Der test lag richtig, der sieger lag falsch
Die Probe, die Cordeiro unmittelbar nach dem Rennen abgab, war so eindeutig, dass selbst seine Anwälte vor dem IPC-Tribunal nichts mehr drehen konnten. 19-Norandrosteron ist ein Klassiker der alten Schule: leistungssteigernd, jederzeit verboten, Spuren wochenlang nachweisbar. Am 28. Januar 2026 fiel das Urteil: Annulation des Silberlaufs, Platz zwei wird zur leeren Zelle. Schulz selbst erfuhr es per E-Mail – während er gerade im Training in Gold Coast die Intervallsprints zog.
Für den 32-jährigen Para-Triathleten aus Potsdam bedeutet das: Seine Sammlung wächst auf fünf Paralympics-Medaillen, doch die Freude bleibt zwiespältig. «Man jubelt nicht über das Unglück eines Kollegen», sagte er gegenüber TSV Pelkum Sportwelt. «Aber es bestätigt, dass mein Rennen sauber war.» Sauber genug, um die Silberzeit von 59:36 min jetzt offiziell als eigene zu wissen.

World triathlon prüft, cordeiro schweigt
Während das IPC die Medaillen verteilt, legt World Triathlon nach: Der Verband muss nun entscheiden, wie lange Cordeiro aus dem Weltcup verschwindet. Eine zweijährige Sperre gilt als wahrscheinlich, weil der Brasilianer kein früheres Vergehen auf dem Konto hat – was die Latte für künftige Kontrollen aber deutlich höher legt. Cordeiro selbst äußerte sich bisher nicht; sein Management verweist auf ein laufendes Einspruchsverfahren, das inzwischen aber nur noch akademischen Charakter hat.
Der deutsche Verband ist indes erleichtert. «Jeder geklärte Dopingfall stärkt die Glaubwürdigkeit unserer Sportart», sagt Chef-Trainer Jonas Kaulen. Die Entscheidung wirkt wie ein Signal: Selbst 18 Monate nach dem Rennen holt das System die Betrüger ein. Und Schulz? Der blickt nach vorn. In vier Wochen startet die Weltcup-Saison in Yokohama – diesmal will er sich die Silbermedaille lieber direkt umhängen, statt sie per Post zu erhalten.
