Donnarumma zieht vor bosnien-kracher die notbremse: „wir sind kein auto, wir sind ein panzer“

Die Luft in Zenica riecht nach Rost und Druck. Mitten im verrottenden Stadion, das Italiens WM-Traum auf 90 Minuten zusammengeschustert hat, spricht Gianluigi Donnarumma leise, aber stahlhart: „Wir spielen morgen nicht nur gegen Bosnien, wir spielen gegen 64 Jahre Geschichte, die ohne uns weiterlaufen soll.“

Die letzte chance vor der absturzserie

Der Kapitän weiß, dass ein Tor genügt, um die Achtunglosigkeit von Palermo 2022 zu exorzieren. Damals schoss North Macedonia die Squadra Azzurra aus dem Ticket-Trikot. „Ich spüre noch den Geschmack von Staub im Mund“, sagt der 25-Jährige und tippt sich gegen die Schlafe. „Deswegen haben wir diese Woche kein Facebook, kein Instagram, nur Taktikbilder und Sprintdaten.“

Die Bosnier haben sich in den letzten Tagen nicht versteckt. Edin Dzeko trainiert mit dem Blick eines Mannes, der in Rom Derby gewonnen hat und jetzt seine letzte Feuerprobe sucht. Donnarumma lacht trocken: „Ich kenne Dzekos Schuss aus 11 Metern. Ich kenne ihn aus 16 Metern. Ich kenne ihn aus dem Busfenster. Er wird uns nicht überraschen.“

Der pullman wird zur festung

Der pullman wird zur festung

Gattuso, der Co-Trainer, wirft im Teamhotel Pokerchips durch den Flur und brüllt: „Wer heute foldet, fliegt morgen raus!“ Die Stimmung ist locker, aber unter der Lockerheit brodelt Adrenalin. Donnarumma: „Wir haben zwei Busse bestellt. Einen für die Spieler, einen für die Angst. Zweiterer fährt leer zurück.“

Die Zahlen sind gnadenlos: Seit 2010 hat Italien nur eines von fünf Playoff-Hinspielen in der Fremde gewonnen. In Zenica allerdings hat die Azzurra noch nie verloren – 0 Niederlagen in 3 Duellen. „Statistiken sind Tattoos für Journalisten“, sagt Donnarumma. „Wir brauchen keine Tinte, wir brauchen Schweiß.“

Der countdown läuft, die stille vor dem kick

Der countdown läuft, die stille vor dem kick

Am Stadiontor klebt ein Zettel: „Willkommen in der Hölle von Balkan“. Darunter hat ein italischer Fan mit Edding geschrieben: „Wir haben schon in Wembley gewonnen, wir überleben auch Zenica.“ Donnarumma unterschreibt mit Filzstift: „Nach morgen heißt es wieder: Wir sind zurück. Oder wir sind weg.“

Er steht auf, streckt sich, der Rücken knackt. „Ich habe 86 Länderspiele, aber nur eins zählt jetzt. Das hier. Das andere war Vorspiel. Wer morgen träumt, wacht ohne WM auf.“ Dann verschwindet er im Flur, Schritte hallen über Beton. Es klingt wie ein Countdown.