Döll und golla ziehen ihre zeitlinie: 40 und schluss? nicht für alle

Antje Döll lacht, als sie gefragt wird, ob sie mit 40 noch im DHB-Trikot aufläuft. Die Antwort kommt ohne Zögern: „Warum also nicht?“ Johannes Golladagegen sieht seine Uhr bereits ticken. Zwischen beiden Kapitänen klafft eine Lücke von neun Jahren – und ein unterschiedlicher Blick auf das Ende.

Döll lässt sich nicht ablöschen

37 Jahre, WM-Silber, 59 Länderspiele – und trotzdem fühlt sich die Linksaußen von der Sport-Union Neckarsulm wie frisch gedruckt. Die Leistung in Herning war ihr Argument: „Ich bin fit und fühle mich gut.“ Solange Bundestrainer Martin Heuberger nicht persönlich Stop sagt, behält sie sich das letzte Wort. 2027 in Ungarn, 2028 in Los Angeles, 2029 in Deutschland – alles drin. Die Los-Angeles-Spiele wären ihre vierte Olympiade. Einzige Handballerin, die das je schaffte? Katrine Lunde, 45, Gold. Döll kennt die Zahl. Sie kennt auch die Vorurteile. Sie ignoriert sie.

Der Sonntag gegen Spanien war der erste Schritt: Ticket-EM 2024 gesichert. Die nächsten drei Jahre könnten zum Marathon werden – und sie hat noch Schuhe mit Spikes.

Golla rechnet anders

Golla rechnet anders

28 Jahre, 1,96 Meter, 93 Kilo – und ein Körper, der jeden Check-up mit Rotstift kommentiert. „Ich merke, was das an Kraft kostet“, sagt Golla. Flensburg spielt dreifach belastet: Bundesliga, Champions League, Nationalteam. Sein Kalender ist ein Tetris-Spiel auf höchstem Niveau. Mit 37 wie Döll? „Ich glaube, jetzt schon sagen zu können, dass ich mit 37 nicht mehr Nationalmannschaft spielen werde, ist schwierig“, sagt er – und liefert gleich die Kehrseite: „Aber ich werde abwägen müssen.“

Die Heim-WM 2027 und 2029 sind noch sicher. Danach wird gerechnet: 2031 in Skandinavien, 2032 vielleicht Paris – oder Schluss. Bei seiner zweiten Heim-EM 2029 wäre er 34. Ein Alter, in dem Handballer längst wissen, wie viele Sprünge noch im Knie sind.

Die zeit ist kein gegner, sie ist schiedsrichter

Die zeit ist kein gegner, sie ist schiedsrichter

Deutschland baut auf zwei Köpfe, die unterschiedlich ticken. Döll nimmt die Uhr auseinander und poliert die Zeiger. Golla hört ihr Ticken und zählt die Sekunden. Beide wissen: Die EM in der Schweiz ist erst der Startschuss zu einem Jahrzehnt, das Höchstleistung und Abnabelung bedeuten kann. Die Fans dürfen sich warm anziehen – das DHB-Duo wird noch lange Gesprächsstoff liefern. Die Frage ist nur: Wer von beiden zieht zuerst die Bremse? Dölls Fuß bleibt auf dem Gas. Gollas Finger schwebt schon über der Handbremse.