Diese profis liefen 29-mal 90 minuten durch – und ein walliser ist der dauerläufer-könig
Ein Verteidiger vom FC Sion, ein Mittelfeldstratege aus Luzern und fünf Torhüter, die nicht einmal zur Toilette durften: Die Super League liefert nach 29 Spieltagen eine kleine Elite, die noch keinen Meter geschenkt bekam. Allen voran Nias Hefti – der Mann, der den Wallisern die Abwehr zusammenhält und die Statistik anführt.
Hefti war bis zur 84. minute gegen winterthur ein lebendes stadionuhrwerk
Eine Auswechslung. Mehr brauchte es nicht, um die Serie des 25-jährigen Innenverteidigers zu unterbrechen. Vor jener 84. Minute in der 4. Runde war Hefti Nonstop-Läufer, der die gegnerischen Stürmer an sich kleben ließ wie frisch geschmolzenen Käse an Fonduegabeln. Seither ist er wieder dabei – und das war's dann auch schon mit der Verschnaufpause.
Hinter ihm folgt Matteo Di Giusto. Der Luzerner Offensivmotor kam auf 2.512 von 2.610 möglichen Minuten. Fehlten also gerade mal 98 Minuten – die Zeit, die ein durchschnittlicher Fan braucht, um von der Tribüne zum Bierstand und zurück zu stapfen. Elf Tore, elf Assists. Die Zahlen sind so symmetrisch, dass man meint, er habe sich selbst in Excel programmiert.

Torhüter blockieren die komplette saison ab
Während Feldspieler irgendwann mal durchatmen, sind Schlussmänner dazu verdammt, 90 Minuten lang die Zeit mit Geschrei und Gestik zu füllen. Fünf von ihnen schafften den Dauerbrenner-Platin-Status: Marvin Keller (YB), Justin Hammel (Basel), Stefanos Kapino (St. Gallen), Pascal Loretz (Luzern) und Anthony Racioppi (Sion). Keiner von ihnen durfte sich mal fünf Minuten die Schuhe binden, ohne dass gleich ein Backup die Hände aufwärmte.
Die Botschaft ist klar: Wer durchhalten will, muss sich in Sion oder Luzern anstellen. Drei der fünf evergreens stammen von diesen Klubs. Vielleicht liegt's am Wasser, vielleicht an der Höhenlage – oder schlicht an Personalnot, die Trainer dazu zwingt, auf Wechsel zu verzichten.

Dauerläufer sind luxus, keine selbstverständlichkeit
In einer Liga, in der Wechsel oft schon nach 60 Minuten fallen, sind Spieler wie Hefti und Di Giusto kurze Inseln der Kontinuität. Ihre Knochen tragen die Saison, ihre Daten tragen die Tabelle. Wer jetzt denkt, das sei normal, sollte einen Blick auf die Bank werfen: Dort sitzen Kollegen, die zwischen Muskelbündelrissen, Gelb-Rot-Sperren und taktischen Experimenten irgendwo zwischen Tribüne und Kurz-Einsatz versandet sind.
Die Konstanz hat ihren Preis. Hefti lief bisher 2.606 Kilometer Laufleistung, Di Giusto 2.598 – inklusive Sprint, Schubser und Seitwärtstorkeln. Kein Wunder, dass die Fitnesstrainer der Klubs in diesen Tagen Nachtschichten einlegen. Der Saisonendspurt rückt näher, und die Dauerbrenner sind gleichzeitig Einladungskarte für Muskelverletzungen. Ein kleiner Riss, ein leichter Schlag – und die Serie ist Geschichte.
Am Samstag geht's weiter. Hefti trifft auf St. Gallen, Di Giusto auf YB. Die Uhr läuft wieder von null. Und wer weiß: Vielleicht gibt es nach 34 Spieltagen nicht fünf, sondern nur noch drei Torhüter, die jeden Pfiff miterlebt haben. Die Statistik ist gnadenlos – und die Beine der Protagonisten noch ein bisschen länger.
