Diego ribas: mit einem schlenzer gegen barça wurde er zur atlético-legende
Es war der 1. April 2014, Camp Nou, 83. Minute. 0:0 im Viertelfinalhinspiel der Champions League, als Diego Ribas den Ball 25 Meter vor Ter Stegens Nachfolger Pinto annahm. Zwei Berührungen, ein Blick – dann knallte er die Kugel mit links in den linken Winkel. Das Netz zitterte, das Stadion verstummte, Atlético jubelte. Mit diesem einzigen Schuss schrieb der Brasilianer sich in die Erinnerung der Rojiblancos ein, für immer.
Der treffer war der startschuss zum größten lauf der vereinsgeschichte
Diego war kein Superstar wie Falcao oder Costa, aber genau das machte ihn sympathisch. 1,77 m groß, lockige Haare, immer ein Lächeln – und eine Technik, die selbst die katalanische Presse „samba pur“ nannte. Das 1:0 in Barcelona gab dem Team von Diego Simeone den Auftrieb, im Rückspiel das Camp Nou-Fluch zu brechen. 1:0 auch im Vicente Calderón, danach rauschte Atlético durchs Halbfinale gegen Chelsea bis zur tragischen Finalniederlage gegen Real in Lissabon. Ohne Diego’s Linksschuss kein Madrid-Derby am 24. Mai 2014.
Die Zahlen sind bemerkenswert: nur 17 Liga-Einsätze in dieser Saison, dafür vier Tore – Quote von einem Treffer pro 191 Minuten. Sein Gehalt? Knapp 1,5 Mio. Euro, ein Schnäppchen gegenüber den 27 Mio., die Juventus 2009 noch für ihn hingeblättert hatte. Der Transfer von Wolfsburg im Winter 2014 kostete die Madrilenen gerade einmal 1,7 Mio.

Von santos bis ironman: ein leben in extremen
Diego war schon mit 19 Europas nächster Deco, wurde aber auch zum Auswanderer zwischen den Welten: Porto, Werder, Juve, Wolfsburg, Atlético, Fenerbahçe. Überall hinterließ er Spuren, doch nirgends fühlte er sich so lange zu Hause wie später bei Flamengo. Dort gewann er 2019 die Copa Libertadores, beendete 2021 mit 36 Jahren seine Profikarriere – und suchte sofort das nächste Abenteuer.
Heute mischt er beim Halb-Ironman von Rio mit, betreibt einen Podcast über Fußball und Start-ups und erklärt 1,3 Millionen Instagram-Followern, warum Athleten Unternehmer sein müssen. „Sport lehrt dich, mit Druck umzugehen – das verkauft sich“, sagt er. Und verkauft sich gut: seine Marke „DR8“ bringt Trainingsprogramme und Ausrüstung auf den Markt, Umsatzzahlen schweigt er, doch Brancheninsider sprechen von siebenstelligen Einnahmen.
Für Atlético-Fans bleibt er der Mann, der Barça das Herz herausriss. In den sozialen Netzwerken kursiert seit Jahren ein Foto: Diego mit erhobenem Arm, im Hintergrund die geschockten Gesichter von Mascherano und Busquets. Das Bild hat 120.000 Likes. Kein Filter, keine Bots – nur pure Ekstase.
Beim nächsten Champions-League-Kracher am Camp Nou werden sie wieder daran denken. Denn manche Karrieren werden nicht in Saisons gemessen, sondern in Sekunden. Die von Diego Ribas dauerte 1,5 – vom Aufsetzen bis zum Aufprallen im Netz. Genug, um unsterblich zu werden.
