Die schweizer speed-damen stolpern in ein loch – und die zahlen schreien

813 Punkte nach zwölf Rennen. Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Kollaps. Die Schweizer Speed-Damen sind auf dem Weg zur schwächsten Saison seit zehn Jahren, und die Erklärung ist so schmerzhaft wie einfach: Lara Gut-Behrami fehlt – und mit ihr die Konstanz, die Schweizer Ski-Frauen groß gemacht hat.

Die punkte sind weg, das loch bleibt

Die Rechnung ist gnadenlos. 2021/22 sammelten die Schweizerinnen noch 2847 Punkte, fast 3000. Nun droht ihnen bei gleichem Tempo das Desaster von 2014/15: 1241 Punkte. Die Talfahrt ist kein Zufall. Ohne Gut-Behrami, die sich nach ihrer Knie-OP noch in der Reha befindet, bröckelt das Fundament. Corinne Suter liefert nach ihrer Rückkehr aus der Babypause zwei Siege, Malorie Blanc zeigt Aufschwung – doch das reicht nicht, um ein ganzes Team zu tragen.

Die Vergangenheit lügt nicht. In der letzten Saison holten die übrigen Schweizer Speed-Damen ohne Gut-Behrami gerade einmal 999 Punkte. Das war schon damals ein Warnschuss. Nun wird der Alarm lauter. Denn selbst in Suters besten Zeiten war sie nie allein die Lösung, sondern Teil einer Bande. Priska Nufer, Joana Hählen, Michelle Gisin – sie alle lieferten in der Rekordsaison 2021/22 mit ab. Heute? Fehlanzeige.

Swiss-ski steckt in der falle

Swiss-ski steckt in der falle

Die Logik des Weltcups ist rücksichtslos: Eine Spitzenfahrerin entlastet die anderen. Sie zieht die Kameras, die Sponsoren, das Selbstvertrauen. Fehlt sie, bleibt der Druck auf den Schultern derer, die noch nicht bereit sind. Jasmine Flury kämpft mit Form und Verletzungen, Suter findet gerade zurück, Blanc lernt noch, ganz vorne zu atmen. Swiss-Ski weiß: Es braucht eine neue Anführerin, die den Laden zusammenhält. Doch die ist nicht da.

Nadja Jnglin-Kamer, einst selbst Weltcup-Podestfahrerin, spricht es offen aus: «Es braucht jemanden, der vorne wegfährt, damit hinten wieder Luft aufkommt.» Die Falle: Genau diese Luft fehlt. Die jungen Fahrerinnen sollen liefern, aber dürfen nicht ersticken. Eine Übergangsphase, sagt Jnglin-Kamer. Doch Übergangsphasen können sich lähmen. Bei den Männern half ein Beat Feuz, dann ein Marco Odermatt. Bei den Frauen? Malorie Blanc ist der Hoffnungsträger, doch ihre Stärke liegt im Technik-Teil. In flachen Passagen fehlt noch die letzte Geschwindigkeit.

Die wahrheit ist hart: lara gut-behrami ist nicht ersetzbar

Die wahrheit ist hart: lara gut-behrami ist nicht ersetzbar

Die Statistik lügt nicht. Sieben Mal in den letzten zehn Jahren knackten die Schweizerinnen die 2000-Punkte-Marke. Nur einmal schafften sie es ohne Gut-Behrami. Die These, dass es auch ohne sie geht, ist ein Mythos. Die Realität: Die Speed-Damen sind ein Haus mit einem Feuer, das nur eine Person löschen kann. Camille Rast mag im Riesenslalom aufschließen, im Speed zählt weiterhin nur ein Name.

Die Saison 2025/26 wird in die Annalen eingehen – als die, in der Swiss-Ski sich selbst überließ. Die 1300 Punkte, die nun noch drin sein könnten, werden nicht reichen, um das Loch zu kitten. Es wird die Saison der Wahrheit: Ohne Gut-Behrami steht das Schweizer Speed-Team vor einer kleinen Revolution. Und Revolutionen beginnen selten mit Siegen. Sie beginnen mit Zahlen, die wehtun. 813. Mehr ist nicht zu holen – und das ist die schmerzhafte Botschaft, die niemand hören wollte.